Zertifikatehandel
Zertifikate: Das Leid mit den Tücken der Technik

Die Emittenten von Zertifikaten haben in der Finanzkrise zum Teil ungerechtfertigt Kritik einstecken müssen. Im Zentrum stand dabei meist das Ausfallrisiko der Produkte, das es bei anderen Anlageklassen aber ebenso gibt. Zu Recht bemängeln Anleger hingegen die immer wieder auftauchenden technischen Probleme im Zertifikatehandel - zumal diese für die Banken nicht immer ganz ungelegen kommen.

DÜSSELDORF. Die Lehman-Pleite hat die Zertifikate-Branche hart getroffen. Um Vertrauen zurückzugewinnen, bemüht sie sich seither verstärkt um Transparenz. Tatsächlich gehen Checklisten für Zertifikatekäufer, objektive Ratings, eine transparente Produktklassifizierung und intensive Aufklärung in die richtige Richtung.

Greifen werden sie aber nur, wenn die Emittenten auch andere Missstände beheben, die Anlegerschützer schon lange vor Lehman anprangerten. Das gilt vor allem für technische Probleme, die Anlegern den Handel erschweren und oft zufällig genau dann auftauchen, wenn der Markt gegen die Bank läuft. Ein Beispiel hierfür ist das "Best of Japan"-Zertifikat von Goldman Sachs. Anleger profitierten hier von einem steigenden Yen oder einem steigenden Nikkei-Index. Fällt allerdings der Nikkei um mehr als 35 Prozent - wie zuletzt geschehen - dann zählt nur noch der Aktienindex.

Dies alles wäre nicht der Rede wert, wäre nicht Goldman Sachs bei der Konzeption des Zertifikats ein Fehler unterlaufen. Statt den Nikkei eins zu eins abzubilden, folgt das Papier dem japanischen Leitindex nämlich stets mit einem Tag Verzögerung. Für findige Anleger ein gefundenes Fressen, denn sie wissen schon einen Tag im Voraus, ob das Zertifikat fällt oder steigt.

Den Fehler hat Goldman Sachs bisher nicht behoben. Die kurzfristige Spekulation mit dem Japan-Zertifikat erschwerte die Bank den Anlegern dennoch. Anfang April erhöhte sie den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, von zwei auf fünf Euro. Für Anleger lohnte sich das Produkt damit nur noch, wenn der Nikkei um mehrere Hundert Punkte steigt. Bis August 2008 hatte der Spread lediglich ein Euro betragen. Auch die maximale Handelsmenge reduzierte Goldman auf 100 Stück.

Ein Sprecher der Bank begründete die Handelsbeschränkungen auf Anfrage mit technischen Problemen, die dadurch entstanden seien, dass einige Zertifikate auf eine neue Plattform gehoben wurden. Inzwischen hat Goldman Sachs den Spread wieder auf einen Euro zurückgenommen und auch die Handelsmenge wieder angehoben.

Für Anleger ist das erfreulich. Noch erfreulicher wäre es, wenn solche technischen Probleme im Zertifikatehandel bald der Vergangenheit angehören würden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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