Absprache bei Kreditderivaten?
Deutsche Bank unter Kartellverdacht

Haben 13 Großbanken den Handel mit Kreditausfallversicherungen abgeschottet? Die EU-Kommission glaubt, ausreichend Belege dafür zu haben, und droht mit Geldbußen. Auch die Deutsche Bank ist betroffen.
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Brüssel/FrankfurtDer Deutschen Bank und zwölf weiteren Investmentbanken aus Europa und den USA drohen hohe Kartellstrafen. Die EU-Kommission verdächtigt die Geldhäuser, geheime Absprachen beim Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) getroffen zu haben. Sie sollen so Börsenbetreiber - etwa die Deutsche Börse - am Eintritt in den Markt gehindert haben. Das teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. Die Deutsche Bank wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren.

Am Ende des Verfahrens könnten auf die Banken EU-Strafen von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes zukommen. Betroffen sind unter anderem JP Morgan, Barclays und Goldman Sachs. Beschuldigt werden auch der Derivateverband ISDA mit Sitz in New York und der Datendienstleister Markit, der führende Anbieter von Finanzinformationen auf dem CDS-Markt.

Die EU-Kommission hat über zwei Jahre lang ermittelt. Nun geht sie davon aus, dass die Akteure die Börsen vom Markt mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps/CDS) ausschließen wollten, damit der Börsenhandel ihre Einnahmen aus der außerbörslichen Vermittlung nicht schmälerte. „Das wäre ein klarer Verstoß gegen die europäischen Regeln“, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

Zur damaligen Zeit sei der Handel vor allem außerhalb der Börse (OTC/„Over the Counter“) abgelaufen. Laut EU-Kommission versuchten die Deutsche Börse und die Chicago Mercantile Exchange zwischen 2006 und 2009, in das Geschäft mit Kreditderivaten einzusteigen. Deshalb fragten sie bei ISDA und Markit nach Lizenzen. Die Banken, die diese Einrichtungen kontrollieren, hätten aber die Anweisung erteilt, die Lizenzen nur für den außerbörslichen Handel, nicht aber für den Börsenhandel zu erteilen, so die EU-Behörde. Außerdem hätten die Banken versucht, die Börsen auszuschließen, indem sie sich auf ein bevorzugtes Clearinghaus verständigten.

Die obersten Kartellhüter Europas haben in dem laufenden Kartellverfahren den Banken nun Briefe mit den Vorwürfen geschickt; diese können jetzt Stellung nehmen. Bereits im April 2011 hatte die EU-Behörde das Verfahren eröffnet. Absprachen zum Schaden von Kunden, Konkurrenten und Verbrauchern sind in der EU streng verboten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Stellungnahme der BAFin und des Bundesfinanzministers als oberster Bankenaufseher würde mich interessieren!

    Oder haben die schon fertig?
    (Komisch. Meine automatische Korrektur berichtigt Bankenaufseher in Bananaufseher. Habe ich da etwas nicht mitbekommen?)

  • @Recovery
    und genau diese beiden Herren der Inder und Fitschen sind das Problem bei der Deutschen Bank. Vorher bei der Brandstiftung mitbeteiligt und jetzt will man Feuerwehrmann sein.

  • Es hört einfach nicht auf und es wird auch nicht aufhören. Da können Fitschen und Jain noch so viel beteuern, dass sie nun einen anderen Kurs einschlagen. Die DB ist so was von 'versumpft', dass einem schlecht wird. Den Laden sollte man nur noch schliessen.

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