Abwicklung von Bad Banks
Die Untoten des deutschen Finanzsystems

Das Ende einer Bank lässt sich schnell verkünden. Die EU hat längst das Aus einiger deutscher „Bad Banks“ besiegelt. Doch bis die WestLB-Tochter Westimmo und andere verschwunden sind, wird es noch lange dauern.
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FrankfurtDas Aus der Wettbewerbsbehörde Brüssel klingt eindeutig: Der Großteil der Commerzbank-Tochter Eurohypo ist abzuwickeln. Und auch die WestLB-Tochter Westimmo landet im Juli wohl in der Abwicklungseinheit EAA der WestLB, die heute ihre erste Bilanz veröffentlicht hat.

Die EAA hat im vergangenen Jahr 878 Millionen Euro Minus gemacht. Die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen schlugen sich dabei massiv im Ergebnis wieder. 848 Millionen Euro musste die Abwicklungsanstalt abschreiben. Trotzdem sieht sich die EAA gut gerüstet, da nur noch 51 von vormals 77,5 Milliarden Euro im Portfolio liegen.

Doch das Ende einer Bank lässt sich schneller verkünden als umsetzen. Vieles spricht dafür, dass Eurohypo und Westimmo noch lange existieren. Nicht als aktive Banken, sondern als Untote des Finanzsystems.

„Für das Herunterfahren solcher Spezialbanken gibt es keine Blaupause, und juristisch ist das sehr kompliziert“, sagt ein Banker. Das liegt vor allem daran, dass beide Institute Pfandbrief-Banken sind. Und die lassen sich nicht so ohne weiteres abwickeln. Denn der Pfandbrief, eine mit Immobilien- oder Staatskrediten besicherte Bankanleihe, genießt in Deutschland einen hohen gesetzlichen Schutz.

Das bedeutet zum Beispiel, dass man die Vermögenswerte solch einer Bank nicht Knall auf Fall verscherbeln kann. Denn ein Großteil der Immobilien- und Staatskredite dieser Banken dient als Sicherheit für die Pfandbriefe. Will eine Bank Kredite verkaufen, mit denen Pfandbrief-Anleger geschützt sind, muss sie denen dafür andere Sicherheiten geben.

Von den 57 Milliarden Euro an Immobilienkrediten, die die Eurohypo Ende 2011 besaß, dienten zum Beispiel 49 Milliarden Euro als Sicherheit für Hypotheken-Pfandbriefe. Vom 90 Milliarden Euro großen Staatsfinanzierungsportfolio stecken 38 Milliarden Euro im Deckungsstock, dem Sicherheitenpool für Pfandbriefe.

Die Kreditbestände, die als Sicherheiten dienen, können also erst mit der Zeit abgebaut werden: Immer dann, wenn ein Schwung Pfandbriefe fällig wird und die Bank die Gläubiger auszahlt, wird ein Teil der Kreditsicherheiten überflüssig. Doch das kann dauern. „Pfandbriefe gehören mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren klar zu den langfristigen Anlageformen.

Das Gesetz schreibt den Banken vor, ihre Pfandbriefe über die gesamte Laufzeit mit Sicherheiten zu unterlegen“, sagt Arnd Stricker, Vorstandsmitglied des Immobilienfinanzierers Corealcredit. Das Abschmelzen der Pfandbriefe einerseits und der Deckungsmasse (also der Sicherheiten) andererseits müsse aus „gesetzlichen und wirtschaftlichen Gründen“ parallel erfolgen.

Stricker weiß, wovon er spricht. Denn die Corealcredit ist seit sechs Jahren damit beschäftigt, ihr Staatskreditgeschäft aufzulösen. Damals hieß die Corealcredit noch AHBR, war gerade aus einer Schieflage gerettet und an den Finanzinvestor Lonestar verkauft worden. Von dem einst 34 Milliarden Euro großen Staatskreditportfolio hält sich noch immer ein hartnäckiger Restbetrag von 1,6 Milliarden Euro.

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Westimmo muss als Ganzes fortbestehen

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  • Baht, Thai-Baht. Baht-Bank = Zentralbank der Siamesen.

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    http://unverbaubar.dynip.name/vuecimetiere/retirement-buenavista-bellevue-schoenaussicht-2.jpg

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