Allianz
Günstiger Zukauf in Frankreich

Der Versicherungskonzern übernimmt die Schaden- und Unfallversicherungssparte des Maklers Gan Eurocourtage. Der Kaufpreis soll niedriger sein, als bislang erwartet.
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Die Allianz verstärkt ihren Vertrieb in Frankreich durch einen Zukauf und muss dafür überraschend wenig Geld auf den Tisch legen. Europas größter Versicherer teilte am Freitag mit, die Schaden- und Unfallsparte des Maklers Gan Eurocourtage zu übernehmen. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Eine mit der Transaktion vertraute Person sagte Reuters aber, die Allianz zahle gut 100 Millionen Euro. Zuletzt war in Finanzkreisen von über 200 Millionen Euro die Rede gewesen. Allerdings übernimmt der Dax-Konzern nur das Portfolio und 600 Mitarbeiter. Weitere ansonsten übliche Bestandteile wie die IT, Gebäude oder Kapital sind nicht inbegriffen, was den Preis am Ende gedrückt haben dürfte.

Zur Allianz wechseln Policen mit einem Prämienvolumen von rund 800 Millionen Euro. Das Geschäft, über das seit Ende April exklusiv verhandelt und für das eine bindende Vereinbarung unterzeichnet wurde, soll im vierten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Die problembehafteten Transportaktivitäten von Gan Eurocourtage waren von Anfang an ausgeklammert worden. "Nach Abschluss der Transaktion werden rund 2500 Makler zum Allianz-Netz in Frankreich gehören." Damit wird die Vertriebskraft fast verdoppelt. Angaben zu den geplanten Kosteneinsparungen machten die Münchner nicht. Frankreich zählt für die Allianz im Sachversicherungsgeschäft zu den fünf größten Märkten.

Vorstandschef Michael Diekmann hatte zuletzt mehrfach angedeutet, wieder Geld in Zukäufe stecken zu wollen. Im Fokus steht dabei die Kernsparte Schaden/Unfall in Europa. Keinesfalls will die Allianz alte Fehler wiederholen und zu teuer einkaufen. Das Management betont deswegen immer wieder, strategisch nicht auf Zukäufe angewiesen zu sein und notfalls auf Möglichkeiten verzichten zu wollen. Verkäufer von Gan Eurocourtage ist der angeschlagene genossenschaftliche Versicherer Groupama. Dieser hatte ursprünglich auf einen Verkaufserlös von 500 bis 700 Millionen Euro gehofft. Das unter der Finanz- und Schuldenkrise leidende Unternehmen wird voraussichtlich demnächst weitere Töchter in Spanien und der Türkei abstoßen. Auch hier könnte die Allianz einer der Interessenten sein.

Die Transaktion soll vorbehaltlich aufsichts- und kartellrechtlicher Genehmigungen im vierten Quartal 2012 abgeschlossen sein.

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