Angebliche Unterschlagung
Deutsche Bank weist Wertheim-Klage zurück

Vor einem US-Gericht klagt der „Wertheim Jewish Education Trust“ gegen die Deutsche Bank, weil deren Mitarbeiter angeblich das Erbe einer Frankfurter Familie unterschlagen haben soll. Die Bank weist alle Vorwürfe zurück.
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New YorkDie Geschichte hat alles, was eine gute Story braucht: Milliarden, die Deutsche Bank, Schweizer Konten und eine jüdische Familie, der das Geld ursprünglich gehört haben soll. Kein Wunder, dass sich der deutsche Geschäftsmann Tim Fuhr, der die rechtmäßigen Erben vertritt, bereits die Filmrechte gesichert hat – neben den 25 Prozent an der potentiell erstrittenen Summe.

Es geht um das Erbe der jüdischen Frankfurter Unternehmer-Familie Wertheim, die trotz ihres Namens nichts mit der Kaufhaus-Dynastie gemein hat, sondern mit Nähmaschinen ihr Geld machte. Sie wandert in den 20er-Jahren nach Spanien aus. Und soll laut der Klage ein Vermögen von einem aktuellen Wert von drei Milliarden Euro auf einem Schweizer Bankkonto der Credit Suisse gehabt haben. Und dieses Geld soll ein Mitarbeiter der Deutschen Bank in Spanien auf ein anderes Schweizer Konto der Deutschen Bank überwiesen und dann unterschlagen haben. Es geht also um die fehlende Beaufsichtigung des Mitarbeiters vonseiten der Deutschen Bank.

Der einzige Wertheim-Erbe ist Ambrosius Wolfgang Bäuml, der sein Erbe Anfang 1990 kurz vor seinem Tod an das befreundete Ehepaar Sutor abtrat. Doch Sutors sehen damals kein großes Erbe – außer einer eher moderaten Zahlung aus Luxemburg. Sie treten ihre Ansprüche daraufhin an den deutschen Geschäftsmann Tim Fuhr ab, damit er das potentielle Vermögen findet. Fuhr wiederum tritt Teile seiner Ansprüche an die gemeinnützige jüdische Organisation „Friends of LBS Inc. (Lauder Business School)“ mit Sitz in South Carolina, USA ab. „Friends of LBS“ wiederum ist einer der drei Gesellschafter des „Wertheim Jewish Education Trust“, der als Kläger gegen die Deutsche Bank auftritt.

Die entscheidenden Fragen in der Geschichte sind: Um wieviel Geld geht es wirklich? Gab es überhaupt ein Konto? Und wie kam das Geld von dem Credit-Suisse-Konto auf das Deutsche-Bank-Konto und was passierte dann? Bisher fehlen sogar die Beweise für die Existenz eines Kontos von Bäumle in der Schweiz. Man weiß nur, dass der Bruder des ehemaligen Deutsche-Bank-Mitarbeiters ein Konto bei der Credit Suisse hatte und beide Brüder Zugriff darauf hatten. Die Credit Suisse hat jedoch schriftlich bestätigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem ehemaligen Deutsche-Bank-Mitarbeiter und Bäumle gibt.

In der Erwiderung der Klage der Deutschen Bank, die dem Handelsblatt vorliegt, heißt es: „Diese Klage ist die jüngste in einer Serie von grundlosen Prozessen gegen die Deutsche Bank von Personen oder Körperschaften, die Ansprüche erheben auf ein angeblich massives, lange verschollenes Eigentum einer deutschen Familie, deren letzter Erbe vor 27 Jahren starb. Vier Bundesgerichte von US-Bundesstaaten und insgesamt sechs Bundesrichter haben die Ansprüche gegen die sogenannten Wertheim-Erben abgelehnt – inklusive einiger der Individuen, Körperschaften und Berater, die hinter der jüngsten Aktion stehen.“

Die Deutsche Bank steht damit auf dem Standpunkt, dass die Klage jeder Grundlage entbehrt. Sie hat daher auch bisher keine Rückstellungen gebildet für den Rechtsstreit. Tatsächlich scheint sich der Beweis für ein angeblich drei Milliarden Euro schweres Erbe auf einen Kalender-Eintrag aus dem Jahr 1990 zu beziehen, bei dem eine Reihe von Zahlenkolonnen ohne Zuordnung zu sehen ist.

Das Gericht in Florida muss sich nun selbst ein Bild dazu machen. Der zuständige Richter wird dazu erst einmal die Erwiderung der Deutschen Bank prüfen. Dafür hat das Gericht mehrere Wochen Zeit.

Das Ganze könnte sogar noch viel komplizierter werden: Laut Manager Magazin haben sich zuletzt auch drei Bäumle-Kinder zu Wort gemeldet, die nun auch auf das Erbe pochen könnten. Sie reklamieren laut dem Magazin 60 Prozent der Ansprüche für sich. Damit wird alles noch komplizierte: Denn wenn es tatsächlich Kinder und damit rechtmäßige Erben gegeben hätte, dann hätte Bäumle wohl auch sein Erbe nicht einfach an das befreundete Ehepaar Sutor abtreten können. Und diese hätten vielleicht sogar nicht Herrn Fuhr beauftragen können.

Eine verworrene Geschichte. Bei der nur eines klar erscheint: Es bleibt spannend.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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