Aufsicht verschärft Regeln
Banken sollen ihre Schatztruhen füllen

Die EU-Bankenaufsicht Eba will, dass die Banken mehr Geld auf die hohe Kante legen. Das kann die deutschen Banken härter treffen als sie bisher erwartet haben. Denn ihre Chancen, frisches Geld zu besorgen, sind begrenzt.
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Frankfurt/MainEs ist paradox: Diejenigen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass die Anleger wieder Vertrauen zu den Banken bekommen, sorgen nun für Unsicherheit. Grund dafür ist das Gerücht, die europäische Bankenaufsicht Eba wolle die Kapitalhaltungsvorschriften verschärfen. Die Folge davon wäre ein erhöhter Kapitalbedarf bei zahlreichen Geldinstituten, insbesondere bei deutschen Banken.

Die EU will das verlorengegangene Vertrauen in die Banken wiederherstellen, indem sie die 70 größten Institute Europas dazu zwingt, ihr hartes Kernkapital bis Juni 2012 einheitlich auf neun Prozent der risikogewichteten Aktiva aufzustocken. Bisher schienen die 13 größten deutschen Banken glimpflich davongekommen zu sein. Im Oktober hatte die Eba noch positive Nachrichten verkündet, wonach nur vier der deutschen Banken ihr Kernkapital auf zusammen 5,2 Milliarden Euro aufstocken müssten.

Nun droht eine Verschärfung der Kriterien, nach denen die Kernkapitalquote berechnet wird. Die könnte zu einer starken Erhöhung des Kapitalbedarfs führen - vor allem bei deutschen Instituten. Die Kritik an der Eba wächst, vor allem von dem Bundesverband der Banken kam heftiger Gegenwind. Sollten die Aufseher ihre Stresstests weiter verschärfen, werde man erheblichen Widerstand leisten, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Auch BdB-Chef Andreas Schmitz zeigte kein Verständnis für den Schwenk der Eba: "Regulierungsschritte dürfen nicht heute so, morgen anders und übermorgen wieder anders aussehen."

So plant die Eba etwa, dass stille Reserven nicht mehr vollständig als Eigenkapital gewertet werden können. Zudem gilt laut einem Bericht der "Börsenzeitung" bereits als sicher, dass von den Instituten gehaltene Staatsanleihen nicht mehr wie bisher zu Preisen von Ende September, sondern zu Marktpreisen von Ende Juni angerechnet werden sollen. Allein das erhöhe schon den Kapitalbedarf.

Das heftigste für die deutschen Banken ist jedoch, dass sie ihre Buchgewinne aus Positionen von Staatsanleihen nur noch eingeschränkt verrechnen können sollen. Das dürfte sie sehr ärgern, erzielten sie doch dank steigender Kurse für deutsche Staatsanleihen derzeit besonders gute Buchgewinne. Vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Geldinstituten haben sie einen hohen Anteil von deutschen Staatsanleihen. Vielen Geldinstituten, etwa der Commerzbank dürfte auch die neue Regel zu schaffen machen, nach der die schlechten Ergebnisse der Banken aus dem dritten Quartal in die Berechnungen mit einfließen sollen.

Aber auch französische und die ohnehin schon stark angeschlagenen spanischen Banken könnten die neuen Regeln stark treffen.

Vor allem die südeuropäischen Banken haben damit zu kämpfen, dass ihnen die Kunden davon laufen. Einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge, der sich auf eine Studie der Citigroup bezieht, sanken die Einlagen bei fünf der sechs größten Banken Spaniens im dritten Quartal. Allein Santander verlor Einlagen von Unternehmen und anderen Institutionen in Höhe von neun Milliarden Euro – das sind rund zehn Prozent der gesamten Anlagesumme dieser Kundengruppe bei dem Geldinstitut.

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Neue Regeln frühestens nächste Woche

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  • Genau das ist der Punkt: Entgegen dem "Regionalprinzip", das die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken gerne lautstark verkünden, passiert in Wirklichkeit genau das Gegenteil:

    In jeder Region Deutschlands wird von den VR-Banken Kapital eingesammelt, um es nach Frankfurt weiter zu leiten, wo es dann verzockt und verprasst wird.

    Die DZ Bank ist damit genau zu dem geworden, wogegen Raiffeisen mit der genossenschaftlichen Idee angehen wollte.

  • @Hardie67

    Stimmt leider nur bedingt. Volks- und Raiffeisenbanken haben in der Vergangenheit mit "Kapitalspritzen" oder als "Kapitalsammelstelle" oder als "Liquiditätsausgleichstelle" (Originalton der Genossenbanker) gerade die Gelder in die DZ Bank und die WGZ Bank gepumpt, mit denen dann fleissig gezockt - und miese gemacht worden sind. Haben Sie z.B. die Milliardenverluste der DZ Bank in den vergangenen Jahren vergessen. Dass sich Volksbanken und Raiffeisenbanken noch als "Gewinner der Krise" oder "Werteschaffer" liegt neben den Tatsachen....

  • Sie meinen offenbar Genossenschaftsbanken. Die brauchen aber kein frisches Kapital, da sie sich aus den "Geschäften" der internationalen Grossbanken rausgehalten haben und raushalten. Coba, DeuBa und Co haben keine Mitglieder, die haben Aktionäre....

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