Bank of England
Unerhörtes bei der alten Lady

Der Bank of England droht ein Streik. Die Gewerkschaft Unite lehnt eine Gehaltserhöhung um ein Prozent ab, weil dies unter der Inflationsrate liegt. Die Notenbank ist an der Auseinandersetzung nicht ganz unschuldig.
  • 0

LondonMark Carney hat seit seinem Antritt als Chef der Bank of England vor vier Jahren eine Erhöhung seines Gehalts abgelehnt. Es liegt weiterhin bei 480.000 Pfund (umgerechnet 552.000 Euro) pro Jahr. Das dürfte aber kein Trost sein für die Mitarbeiter der Notenbank, die deutlich weniger verdienen. Diese erwägen jetzt den Ausstand, weil steigende Inflation ihr Realeinkommen senkt und die bisherige Gehaltserhöhung durch ihren Arbeitgeber als Kompensation offenbar bei weitem nicht ausreicht.

Dieser Umgang der Bank of England mit den Geringverdienern unter ihren Mitarbeitern sei beschämend, realitätsfremd und zeuge von Arroganz, sagte Mercedes Sanchez von der Gewerkschaft Unite der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gewerkschaft lässt daher ihre Mitglieder, die bei der Notenbank arbeiten, über einen Streik abstimmen. Mit einem Ergebnis sei in knapp drei Wochen zu rechnen.

Die Old Lady of Threadneedle Street, wie die Bank of England auch genannt wird, hat fast 4000 Mitarbeiter. Medienberichten zufolge sind etwa zwei Prozent Unite-Mitglieder. Nach Angaben der Gewerkschaft verdienen die Notenbank-Beschäftigten, die jetzt über den Ausstand abstimmen, weniger als 20.000 Pfund im Jahr. Dazu gehören Mitarbeiter, die an der Rezeption und in der Gebäudeverwaltung im Einsatz sind.

Die Notenbank hat die Gehälter in diesem Jahr im Schnitt um ein Prozent erhöht. Die Inflation lag zuletzt bei 2,6 Prozent und könnte Experten zufolge auf bis zu drei Prozent steigen. Auslöser ist der tiefe Fall der britischen Währung seit dem Brexit-Referendum im Sommer vergangenen Jahres.

Ein Streik ist ein äußerst seltenes Ereignis in der Geschichte der 323 Jahre alten Traditionsinstitution. Im Jahr 1994 stimmten IT-Mitarbeiter nach einer Auseinandersetzung über ihre Bezahlung über einen Ausstand ab, entschieden sich dann aber dagegen.

Die Notenbank hat erst jüngst einräumen müssen, dass man die Einkommensentwicklung der Briten zu optimistisch eingeschätzt habe. Die Experten gingen von einem Plus von drei Prozent aus, dass Löhne und Gehälter also mit der Inflation Schritt halten könnten. Zuletzt hat die Bank of England ihre Erwartungen aber auf zwei Prozent gesenkt.

Kommentare zu " Bank of England: Unerhörtes bei der alten Lady"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%