Banken in der Krise
Privatkundengeschäft erholt sich langsam

Das Privatkundengeschäft der Banken kriecht aus der Krise: Im Vergleich zu 2009 steigen die Gewinne wieder. Durch Entlassungen haben die Banken Kosten gespart. Bis zu einer völligen Genesung ist es jedoch ein weiter Weg.
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FrankfurtDie Schuldenkrise und der Wirtschaftsabschwung in vielen Ländern Europas treffen die Banken auch im klassischen Privatkundengeschäft. Rund vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise liegen die Gewinne der größten europäischen Banken in diesem Segment immer noch 15 Prozent unter dem Niveau von 2007. Das geht aus einer Branchenstudie der US-Unternehmensberatung A.T. Kearney hervor, die am Freitag veröffentlicht wird.

„Vor allem die erhöhte Risikovorsorge der Banken sorgt dafür, dass die Gewinne niedriger ausfallen", sagt Andreas Pratz, Partner bei A.T. Kearney, der Nachrichtenagentur Reuters. Im aktuellen Marktumfeld sei angesichts relativ niedriger Zinseinnahmen und der Zurückhaltung vieler Privatkunden an den Finanzmärkten nicht mit einer kurzfristigen Belebung der Gewinne zu rechnen.

Langfristig könnte sich der Markt allerdings erholen - gegenüber dem Beginn der Euro-Schuldenkrise 2009 stiegen die Gewinne allmählich wieder an. Viele Banken hätten durch die Entlassung Tausender Mitarbeiter ihre Kosten gesenkt. Insgesamt sind zudem die Einnahmen der meisten europäischen Privatbanken laut den Berechnungen der Unternehmensberatung wieder auf Vorkrisenniveau. Ausnahmen bilden die Institute in den Krisenländern Spanien, Italien und Portugal: Sie müssen wegen einer Vielzahl fauler Kredite hohe Rückstellungen bilden.

Vor allem das aktuelle Niedrigzinsumfeld belastet das Privatkundengeschäft stark. „Die zuletzt gestiegene Abhängigkeit vom Zinsgeschäft wird bei weiter niedrigen Zinsmargen von etwa einem Prozent in Westeuropa keine Sprünge erlauben", sagt Pratz. Daher müssten die Institute an ihren Vertriebsmodellen arbeiten und dabei neue Technologien einsetzen.

Ein Beispiel hierfür ist die Deutsche Bank : Das größte deutsche Geldhaus investiert rund eine Milliarde Euro in eine neue IT-Plattform, die schon in diesem Jahr 200 Millionen Euro an Einsparungen bringen soll. Auf dem neuen System sollen ab 2015 alle Konten der 24 Millionen Kunden von Deutscher Bank und Postbank hierzulande geführt werden.

Experten halten auch Preiserhöhungen der Banken für gut möglich. Grundsätzlich werden die kommenden Monate laut den Experten von A.T Kearney aber weiter von der Unsicherheit an den Märkten und einem Umbau des Bankensektors geprägt sein. Bilde heute noch die Filiale den Mittelpunkt des Geschäfts mit Privatkunden, würden bald neue Wege wie Videoberatung oder Mobile Banking viele Teile der klassischen Filialberatung ersetzen.

„Das erlaubt schlankere Filialen. Allerdings nicht weniger, denn die Filiale bleibt sowohl für höherwertige Beratung als auch die Gewinnung neuer Kunden elementar", erklärt Pratz. Die in der Studie berücksichtigten 42 europäischen Banken betreuen insgesamt etwa 400 Millionen Privatkunden. Aus Deutschland sind unter anderem Daten von Sparkassen, Volksbanken und der größten privaten Institute eingegangen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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