Banken
Krise erschüttert Geschäft mit reichen Privatkunden

Lange galt die Vermögensverwaltung als krisensicher. Doch das stimmt nicht mehr. Die Kunden halten ihr Geld zusammen, neue Regeln treiben die Kosten hoch: Wie das Private Banking sich für harte Zeiten rüstet.
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Zürich/FrankfurtDie Zahlen sind aufsehenerregend: Je 30 000 Jobs wollen HSBC und die Bank of America streichen. Bei Credit Suisse und UBS sollen rund 3 500 Arbeitsplätze wegfallen. Am stärksten betroffen ist das Investment-Banking. Die Schweizer Großbanken wollen sich daher stärker ihrem Kerngeschäft widmen: der Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden.

Doch auch die Paradedisziplin der Schweizer Banken steckt in der Krise. Experten prognostizieren einen beschleunigten Stellenabbau. "Ich rechne mit einem Abbau von einem Viertel aller Stellen im Wealth Management in den kommenden zwei Jahren", sagt Marco Bosshardt vom Schweizer Personalvermittler Bosshardt & Partner. Das Bankgeheimnis in Steuerfragen ist Geschichte, nun müssen sich die Schweizer Vermögensverwalter dem verschärften internationalen Wettbewerb stellen. Deutsche Banken wittern Chancen.

"Der Druck auf die Margen wird sich fortsetzen", meint Carlos Ammann, Geschäftsführer für Finanzdienstleistungen bei der Beratung Booz & Co., "denn die Umsetzung neuer Regeln wie die Steuerabkommen mit Deutschland oder der neuen US-Steuergesetzgebung Fatca kosten viel Geld".

Die Kosten steigen tendenziell, gleichzeitig sieht es auf der Einnahmenseite düster aus. "Aus Sorge wegen der Euro-Krise gibt es wenig Kundentransaktionen", beklagte Ende vergangenen Jahres zum Beispiel Hans-Ulrich Meister, Chef des Private Bankings der Credit Suisse, "gleichzeitig ist das Tiefzinsniveau ein Problem, denn die Kunden halten viel Bargeld, und wegen des Zinsniveaus verdienen wir an diesen Einlagen weniger". In den ersten neun Monaten des Jahres sank der Vorsteuergewinn der Sparte Private Banking von Credit Suisse zum Beispiel um 28 Prozent. Und Meister erwartet nicht, dass sich das Umfeld in den nächsten zwei Jahren bessern wird.

Daher wird auch in der Vermögensverwaltung bereits gekürzt: Credit Suisse macht die Tochter Clariden Leu dicht, eine Bank mit über 200 Jahren Tradition. 550 Stellen sollen wegfallen. UBS will rund 1 200 Stellen streichen. Bei Julius Bär sind es 150 Posten.

Laut einer Vergleichsstudie zum Private Banking der Uni Zürich geht bei den Schweizer Banken eine bedrohliche Kosten-Einnahmen-Schere auf (s. Grafik) : 2010 sind die Einnahmen um 36 Prozent gefallen, die Kosten sanken aber nur um zehn Prozent. Der Grund: "Unflexible Personalkosten".

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