Bankenkonferenz
Deutsche Banken rechnen nicht mit EU-Einlagensicherung

Deutsche Geldinstitute fürchten um die Gelder ihrer Sparer. Würde eine europaweiter Haftungsverbund für Banken eingeführt, würden ihre Gelder Banken in Nachbarstaaten retten, die in eine Schieflage geraten sind.
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FrankfurtDie deutschen Banken wollen dafür kämpfen, dass die Spareinlagen ihrer Kunden nicht zur Rettung ausländischer Geldhäuser herangezogen werden. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken sind grundsätzlich gegen Pläne, eine europaweite Einlagensicherung einzuführen. Aber auch die Deutsche Bank und der Privatbankenverband BdB, die grundsätzlich Sympathien für die Idee haben, sehen auf absehbare Zeit keine Chance, einen einheitliche Haftungsverbund zu schaffen. „Für eine europäische Einlagensicherung ist die Zeit noch nicht reif“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer am Donnerstag auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt. „Da müssen vorher noch sehr viele Schritte gemacht werden.“

Nötig ist laut Kemmer unter anderem eine „viel stärkere wirtschaftliche, politische und fiskalische Integration“ in Europa. „Im Moment kann ich nicht ausschließen, dass es einigen von denen, die eine gemeinsame europäische Einlagensicherung haben wollen, darum geht, an die gut gefüllten Fleischtöpfe der deutschen Einlagensicherung zu kommen.“ Eine einheitliche Einlagensicherung könne es erst geben, wenn es auch in anderen Ländern entsprechende Töpfe gebe, betonte Kemmer.

Auch Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain rechnet auf absehbare Zeit nicht mit einer einheitlichen europäischen Lösung: „Ich bin kein Anhänger einer gemeinsamen Sicherung für Bankeinlagen und Verbindlichkeiten, so lange die Voraussetzungen fehlen.“ Er äußerte sich damit zurückhaltender als sein Kollege Jürgen Fitschen, der die Einlagensicherung vor einiger Zeit noch als das „Endziel“ einer Bankenunion bezeichnet hatte.

Eine europäische Einlagensicherung könne am Ende eines einheitlichen europäischen Bankensystems stehen, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Kemmer im Gespräch mit Reuters. „Ich will aber nicht spekulieren, wann es so weit sein kann. Bis dahin wird sicher noch viel Wasser den Main hinunterfließen.“

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  • Man muss festhalten, dass weder deutsche Banken noch deutsche Sparer zu dieser sie belastenden Frage überhaupt gefragt werden.

    Seit langem erleben wir seitens Der EU-Behörden eine besondere Form der Diktatur und de tickt anders.

  • Das wird die Franzosen (die treibend hinter der "Bankenunion" stehen) und die anderen Südländer aber gar nicht freuen. Wie sollen sie ohne das Geld der deutschen Sparer oder Steuerzahler ihre Großbanken retten? Schließlich war die "Bankenunion" (=Zahlunion) neben ESM und Co als Ersatz für die von der deutschen Regierung verweigerten "Eurobonds" konzipiert worden. Aber die Kreativität unserer europäischen Freund kennt keine Grenzen wenn es nach dem Motto geht: "ran an den Speck" - egal wie und unter welchem Namen. Sollte die "Bankenunion" im Sinne von Zahlunion nicht kommen, dürfen wir uns daher über neue Vorschläge freuen, wie wir unser Geld loswerden können.

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