Bankenregulierung
Sparkassen stehen vor Milliarden-Belastungen

Den in Schieflage geratene Landesbanken mussten Sparkassen mit Milliarden aushelfen. Für ihre Beteiligungen wollen die Sparkassen aber auch künftig kein Eigenkapital vorhalten. Deswegen laufen sie gegen EU-Pläne Sturm.
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BerlinDie Sparkassen in Deutschland schlagen Alarm. Ihnen stehen milliardenschwere Belastungen ins Haus, die aus Eigenkapitalanforderungen für ihre Beteiligungen resultieren. Das sehen Pläne der Brüsseler Kommission vor, die derzeit verbindlich für alle EU-Mitgliedsstaaten die neuen Eigenkapitalnormen nach Basel III umsetzt. Werden diese verwirklicht, engen sich die Kreditspielräume der Sparkassen empfindlich ein.

Konkret geht es dabei um die mittelbaren Beteiligungen, die die Sparkassen an ihren Verbundunternehmen wie Landesbanken, Versicherer und Bausparkassen häufig über ihre Regionalverbände halten. Diese müssen derzeit nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Pläne der EU-Kommission sehen vor, dass diese Beteiligungen den Sparkassen ab dem Jahr 2013 direkt zugerechnet und mit Kapital unterlegt werden sollen. Damit steht dieses Kapital dann für die Kreditvergabe nicht mehr zur Verfügung.

Vor einem „massiven Eigenkapitalverzehr“ warnt bereits der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider und stellt folgende Modellrechnung für seinen Verband auf, der beispielsweise mit gut 40 Prozent an der Landesbank Baden-Württemberg beteiligt ist. „Bei einem Gesamtkapital unserer 53 Sparkassen von rund 15 Milliarden Euro würden aktuell rund 4 Milliarden Euro abzugspflichtig - Kapital, das zur Unterlegung von Mittelstandskrediten nicht mehr zur Verfügung stehen würde“, sagte Schneider dem Handelsblatt.

Einschließlich der weiteren Belastungen, die Basel III ohnehin vorsieht – höhere Eigenkapitalunterlegung von Krediten, höhere Liquiditätsanforderungen – bestehe in Baden-Württemberg künftig die Gefahr, dass die Sparkassen künftig erst warten müssen, bis Kredite zurückgezahlt werden, um neue zu vergeben, so Schneider.

Bundesweit könnte die Unterlegungspflicht für Beteiligungen nach Berechnungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ein Fünftel des Kernkapitals der Sparkassen oder zehn Milliarden Euro binden. Da Kredite künftig mit 10,5 Prozent Eigenkapital unterlegt werden müssen, stehe ein Kreditvergabepotenzial von mehr als 100 Milliarden Euro auf dem Spiel. „Es ist falsch, finanzwirtschaftliche Verbünde, die in der Krise stabilisierend gewirkt haben, durch regulatorische Maßnahmen bei der Kapitalanrechnung wesentliche Kreditspielräume zu nehmen“, schimpft DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Nun hoffen die Sparkassen auf Rückendeckung aus Berlin.

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  • Zentralverwaltungswirtschaft

    Liebe Eu-Kommission, Sparkassen einerseits und Volksbanken-Raiffaisenbankenbanken andererseits unterscheiden sich in Eignerstruktur und Konzeption. Zudem unterscheiden sich die österreichische Raiffeisenbank von der Sparkasse oder der Raiffaisenbank in Oberbayern,zum Beispiel. Sie unterscheiden sich auch hinsichtlich der Sicherungseinrichtigungen. Diese Banken unterscheiden sich wiederum von IKB oder der KfW oder Privatbanken.
    Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen wird am Ende beides verlieren. Ihre Zentralverwaltungswirtschft, nun von den Porugiesen, Italienern und Franzosen forciert, ist europeiisch ineffizient, kontraproduktiv und unvereinbar mit induviduellen Grundrechten und Rechtstaatlichkeit. Sie wirkt totalitär und wird spätestens 2014 zu einem bösen Erwachen führen. Ein Veto für die Auflösung der Beziehungen dieser Art gibt es nicht.

  • @ursularenner

    Interessanter Gedanke im letzten Satz.
    Lohnt sich genauer hinzuschauen.
    Danke.
    Bin ich als Klein-Michel bei den VoBas besser/sicherer dran als bei den Sparkassen ?

  • Die große Bankenregulierung arbeitet nach dem typisch politischen Muster "Bestrafung der Betroffenen". Mitverursacher die Krise waren Banken in Staatshand mit Politikern als Kontrolleure, die dann auch prompt mit Steuergeldern gerettet werden mußten, primär die meisten Landesbanken mit ihren schönen Pöstchen für Politiker-freunde. Von einer durchgreifenden Regulierung und Restruk-turierung des Landesbankensektors, den die Politik ohne den Druck Brüssels nie angegangen wäre, kann ich wenig bis nichts erkennen. Die Eigentümer, die Sparkassen, sind nicht als scharfe Kontrolleure des Laienspiels (z.B. BayernLB) in Erscheinung getreten. Deshalb hält sich mein Mitleid in Grenzen. Die Commerzbank war im Großbanken-sektor m.W. der einzige Sonderfall: hätte sie nicht die Allianz, unser aller Altersvorsorger, von der maroden Dresdner mitten in der Krise befreit (befreien müssen?), hätte sie wohl keine Staatsknete benötigt.

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