Banker wechselt Karriere
Vom Knochenjob zu alten Knochen

Einst verkaufte Cliff Hartono Fonds bei der Credit Suisse, umgeben von sechs Computerbildschirmen. Das erfüllte ihn nicht. Ein steinalter Fund auf einem Hügel brachte ihn auf eine folgenschwere Geschäftsidee.

Frankfurt/SingapurFür Cliff Hartono war es ein surrealer Moment: An einem Tag im Oktober vor drei Jahren stand er auf einem Hügel in Wyoming. Um ihn herum grasten Rinder und Pferde - eine völlig andere Welt als sein Büro im Londoner Stadtteil Canary Wharf, wo er noch vor einem Monat für die Credit Suisse börsengehandelte Fonds verkauft hatte, umgeben von sechs Computerbildschirmen. Was er in diesem Hügel fand, sollte ihn auf eine folgenschwere Idee bringen.

Damals war der Deutsch-Indonesier 27 und auf einer Expedition im Stil von Indiana Jones, zusammen mit amerikanischen Fossiliensuchern mit Cowboyhüten. „He Junge, ist es das erste Mal, dass du einen Hammer hältst?”, fragte ihn einer, der mit Bildern von Fossilien tätowiert war. Hartono erinnert sich, dass er antwortete: „Das schwerste, was ich im letzten Monat gehoben habe, war eine Computermaus.”

Der Rest ist Geschichte. Hartono und die Fossiliensucher verstanden sich prächtig, und er wurde zum Sammler und Händler - wie er es sich erträumt hatte, als er durch das Londoner Natural History Museum streifte. Wyoming ist eine seiner Hauptquellen geblieben - neben dem fränkischen Solnhofen und Holzmaden in Baden-Württemberg.

Von Singapur aus hat Hartono ein Nischenmarktgeschäft mit Fossilien als Kunst- und Deko-Objekte aufgebaut. Seine Fundstücke sind 20 Millionen bis 230 Millionen Jahre alt - darunter ein versteinerter Ichthyosaurus aus dem Jura, den er für rund 200.000 Singapur-Dollar (129.000 Euro) verkaufen konnte.

Private Fossiliensammler gibt es schon lange. Aber erst der Film „Jurassic Park”, der 1993 in die Kinos kam, löste einen veritablen Fossilienrausch aus, erklärt Michael Pittman, Leiter des Vertebrate Paleontology Laboratory an der Universität von Hongkong. Im Jahr 1997 versteigerte Sotheby's in New York das Skelett eines Tyrannosaurus mit dem Spitznamen „Sue” an das Field Museum of Natural History in Chicago für die Rekordsumme von 8,4 Millionen Dollar (7,9 Millionen Euro). Der Schauspieler Nicolas Cage erwarb 2007 einen Tyrannosaurus-Rex-Schädel für 276.000 Dollar und stach damit seinen Kollegen Leonardo DiCaprio aus.

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Besonders asiatische Sammler lieben Fossilien

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