Bankhäuser
Asiaten suchen Finanz-Schnäppchen in Europa

Während europäische Institute massiv sparen müssen, haben asiatische Banken Geld fürs Shoppen übrig. Die Gruppe Sumitomo-Mitsui kauft der Royal Bank of Scotland nun für Milliarden ihr Flugzeugleasinggeschäft ab.
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Tokio/Frankfurt/LondonStephen Hester hat ein Problem – und Koichi Miyata profitiert davon. Während der Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) Geld braucht, um langfristig bestehen zu können, hat der Präsident der Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) genug davon. Der Japaner kauft das Flugzeugleasinggeschäft der Schotten. Hester dagegen bleibt wie anderen Bankchefs in Europa keine Wahl: Er muss die Kosten radikal kürzen, Tausende Banker vor die Tür setzen und einzelne Teile des Finanzkonzerns verkaufen.

Von diesen Deals werden wir in nächster Zeit mehr sehen, sagt Patrick Schmitz-Morkramer. Er leitet das Investment-Banking von Nomura in Asien außerhalb Japans. „Die Asiaten versuchen, im Ausland zu expandieren“, sagt er. Gerade die Japaner suchten angesichts der Wachstumsschwäche im Heimatmarkt nach höheren Margen durch neue Investments. Sie profitierten dabei von der Stärke des Yens und der günstigen Refinanzierung durch extrem niedrige Zinsen, die bei rund 1,5 Prozent im Jahr liegen. Außerdem strotzen Japans Institute vor Kraft, da sie keine faulen Kredite belasten und sie auch nicht in Staatsanleihen in Europa engagiert sind.

So konnte etwa SMFG das Gewinnziel für das Bilanzjahr 2011 um ein Viertel auf rund fünf Milliarden Euro erhöhen. Allerdings: Nach den herben Enttäuschungen durch den Kauf von Bankbeteiligungen in den Jahren 2007 und 2008, die plötzlich nur noch einen Bruchteil der ursprünglichen Investments wert waren, versuchen sie, sich in bestimmten Geschäftsbereichen zu verstärken. Interessant seien etwa die Bereiche Vermögensverwaltung und der Erwerb von Kreditportfolios, sagt Schmitz-Morkramer.

Oder das Flugzeugleasinggeschäft der Royal Bank of Scotland. Umgerechnet rund 5,7 Milliarden Euro ist der Finanzkonzern SMFG bereit, für RBS Aviation, die Flugzeugleasing-Tochter, zu bezahlen, wie die britische Großbank gestern mitteilte. Die Finanzierung müsse aber noch geklärt werden. Bereits im dritten Quartal soll das Geschäft abgeschlossen sein, hofft Hester. Alles muss raus. Und das möglichst schnell. Es wirke ein wenig wie der große Ausverkauf, sagt ein Frankfurter Banker.

Überall in Europa versuchen derzeit die großen Finanzkonzerne, sich frisches Geld zu beschaffen, indem sie Unternehmensteile verkaufen. Die Deutsche Bank etwa bietet Teile ihrer Vermögensverwaltung feil. Spaniens Großbank Santander verkaufte vor wenigen Wochen ihre kolumbianische Tochter Banco Santander Colombia für 910 Millionen Euro an ein Institut aus Chile.

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  • Japan, in Europa als Fußkrank verschrieen, kauft ein. Ja, die Asiaten unterstützen halt keine Faulenzer und Betrüger. Deutschland könnte auch wesentlich besser dar stehen, nur unsere Politiker, wollen lieber dass es Faulenzern und Betrügern besser geht als dem eigenen Volk.

    Von meinem Apartment in Kuala Lumpur schaue ich jeden Tag auf eine Baustelle. Die arbeiten da von morgens 7 Uhr bis abends 23 Uhr und natürlich auch am Freitag, dem islamischen Sonntag, wie auch am Samstag und Sonntag. Wer würde das schon in Europa tun? Allein die Kirchen hätten was dagegen.

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