Bankregeln verletzt
US-Senat stellt HSBC an den Pranger

Geschäfte mit Terroristen, Drogendealern und Geldwäschern: Der US-Senat erhebt schwere Vorwürfe gegen die HSBC. Der britischen Großbank bleibt nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen.
  • 12

Washington/LondonEin Untersuchungsausschuss des US-Senates hat wegen fragwürdiger Geldtransaktionen schwere Vorwürfe gegen die britische Bank HSBC erhoben. Das Institut habe über Jahre Kunden geholfen, fragwürdige Gelder aus Ländern wie Mexiko, dem Iran, Saudi-Arabien oder Syrien zu transferieren, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

"Die Firmenkultur war bei HSBC über einen großen Zeitraum tiefgreifend belastet", sagte Senator Carl Levin. Dem Bericht zufolge transferierte die mexikanische HSBC-Niederlassung allein in den Jahren 2007 und 2008 sieben Milliarden Dollar an die Zweigstelle in den USA.

Mexikanische und amerikanische Behörden hätten HSBC gewarnt, dass ein derartiger Geldbetrag nur mit Hilfe des Drogenhandels zusammengekommen sein könne. Derzeit stehen Großbanken weltweit erneut in der Kritik, etwa weil der Londoner Referenzzinssatz Libor offenbar über Jahre hinweg manipuliert wurde.

Kritik äußerten die Senatoren auch an der Aufsichtsbehörde OCC, die unter anderem für die Filialen ausländischer Banken in den USA zuständig ist. Trotz zahlreicher Hinweise seien die Aufseher nicht gegen HSBC vorgegangen. So habe sich die Geldwäsche zu einem massiven Problem ausgeweitet. Dem Institut selbst wurde vorgeworfen, die bankeigenen Kontrolleure seien unfähig gewesen, gegen verdächtige Transaktionen vorzugehen. So habe es in der zuständigen Abteilung eine hohe Personalfluktuation gegeben.

HSBC erklärte als Reaktion auf die Vorwürfe, die Untersuchung gebe der gesamten Branche wichtige Hinweise, wie verhindert werden könne, dass Kriminelle das weltweite Finanzsystem nutzten. Das Unternehmen gibt nach eigener Darstellung inzwischen mehr Geld für Kontrollen aus.

Die Untersuchung, für die 1,4 Millionen Dokumente gesichtet sowie 75 HSBC-Vertreter und Behördenvertreter befragt wurden, dauerte ein Jahr. Sie steht im Mittelpunkt einer Kongressanhörung, die am Dienstag stattfinden sollte.

Heute muss sich Irene Dorner, die US-Chefin der britischen Bank, vor einem Ausschuss des US-Senats offiziell dafür entschuldigen, dass HSBC zwischen 2004 und 2010 keine effektiven Kontrollen in Kraft hatte, die die Finanzierung von Terrorismus und anderen kriminellen Aktivitäten verhindert hätten.

Der Ausschuss des US-Senats, vor dem sich HSBC rechtfertigen muss, kann zwar selbst keine Strafen verhängen. Aber nach Informationen aus Finanzkreisen stellt sich die britische Bank auf ein Bußgeld ein, das schon sehr bald verhängt werden könnte. Analysten gehen davon aus, dass sich die Strafe im hohen dreistelligen Millionenbereich bewegen wird.

Seite 1:

US-Senat stellt HSBC an den Pranger

Seite 2:

Affäre kommt zur Unzeit

Kommentare zu " Bankregeln verletzt: US-Senat stellt HSBC an den Pranger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @CompliancePuls.com ... doch genau darum geht es. Dafür werden diese Banken auch fürstlich bezahlt und können sich nun deswegen nicht einfach aus der Verantwortung stehen!

  • Klar brauchen wir Banken, dass worum es aber hier geht sind kriminelle Organisationen und auf die kann man getrost verzichten. Man sollte einfach mal alle Wegsperren ...

  • HSBC ist nur eine Fallstudie fuer den US-Senat. Verstoesse gegen Geldwaeschegesetze kommen immer wieder vor - auch bei anderen europaeischen Banken. Eine Herausforderung fuer das Management besteht darin, bei den sich stets aendernden und international unterschiedlichen Regeln die genaue Uebersicht zu behalten und diese dann auch effektiv im Unternehmen umzusetzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%