Berufsverbot
Wenn der Ölhändler im Blackout handelt

Steven Perkins erhielt in Großbritannien ein Berufsverbot. Später wurde er in der Schweiz wieder angestellt. Immer mehr Banker werden in London aus der Branche geschmissen - doch sie steigen wieder ein.
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LondonLondoner Banker erhalten zunehmend Berufsverbote auf Lebenszeit, weil sie Vorschriften zum Markt- Missbrauch gebrochen haben. Mit dieser drastischen Maßnahme versucht die dortige Aufsichtsbehörde, als strengerer Regulierer wahrgenommen zu werden.

Die Anzahl der Banker, die von der Financial Services Authority (FSA) mit einem Berufsverbot belegt wurden, erreichte in den zwölf Monaten bis April 2011 ihren bisherigen Höhepunkt. In dem Zeitraum wurden insgesamt 71 Menschen aus der Banken- und Hypothekenbranche verbannt.

Zum Vergleich: 2003 hatten lediglich vier Personen ein Berufsverbot von der FSA erhalten. In den zwölf Monaten bis April 2012 lag die Anzahl der Verbannungen bei 47. Die Angaben stammen aus dem neuen FSA-Jahresbericht, der in dieser Woche in London veröffentlicht wurde.

Nach Auffassung von Experten zählen die Berufsverbote zu den Nachwehen von Finanzkrise und europäischer Staatsschuldenkrise. Die Entscheidungsträger in der Region haben die Branche stärker ins Visier genommen und unter anderem Obergrenzen für Bonuszahlungen eingeführt. In London dürfte die Anzahl der Beschäftigten in der Branche einer Studie zufolge auf das niedrigste Niveau in 16 Jahren zurückfallen.

Die Berufsverbote „sollten nur als letzter Ausweg genutzt werden”, fordert Arun Srivastava, Chef des Bereichs Finanzdienstleistungen bei der Londoner Kanzlei Baker & McKenzie. „Man muss an die Auswirkungen denken für die Person, die aus der Branche ausgeschlossen wird. Denn das ist das Ende der Karriere.”

Zu den prominentesten Bankern mit Berufsverbot gehören Ravi Shankar Sinha, der frühere Chef der britischen Sparte von JC Flowers & Co. Er wurde für das Fälschen von Rechnungen mit einer Strafzahlung von 2,87 Millionen Pfund (3,55 Millionen Euro) belegt. Seit Februar darf er nicht mehr im Finanzsektor arbeiten. Alberto Micalizzi, Gründer des zusammengebrochenen Hedgefonds Dynamic Decisions Capital Management Ltd., traf dasselbe Schicksal im Mai, weil er Investoren in die Irre geführt hat. In diesem Fall lag die Strafzahlung bei 3 Millionen Pfund (3,7 Millionen Euro).

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Kommentare zu " Berufsverbot: Wenn der Ölhändler im Blackout handelt"

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  • Ich hab auch den Eindruck, dass hier der Blickwinkel falsch ist! Wenn man so liest was diese Banker so verbrochen haben sind das ganz klar Straftaten und da halte ich ein Berufsverbot für angemessen.

  • Statt über den Fortgang der beruflichen Karriere von den entlassenen Banker zu berichten, sollte man in diesem Zusammenhang doch wohl besser aufzeigen, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, diese Herrschaften - weltweit - für eine Wiedergutmachung der von Ihnen angerichteten Schäden, in der Zukunft in die Pflicht zu nehmen!

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