Bestechung von Beamten
Daten-Affäre bei der Debeka weitet sich aus

Mitarbeiter der Debeka-Versicherung haben auch in der jüngeren Vergangenheit Behördenmitarbeiter bestochen. Das Unternehmen hatte lediglich von Fällen „in den 1980er und 1990er-Jahren“ gesprochen.
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DüsseldorfDie Bestechung von Behördenmitarbeitern durch Vertreter der Debeka-Versicherung zog sich nach einem Bericht des Handelsblattes (Dienstagausgabe, ganze Ausgabe hier zum Download) bis in die jüngere Vergangenheit. Noch am 27. Juli 2010 befasste das Amtsgericht Tübingen mit der Art und Weise, wie Debeka-Mitarbeiter ihre Vertragsanbahnung betrieben.

Ein Organisationsleiter einer Debeka-Geschäftsstelle in Baden-Württemberg hatte mit einem Mitarbeiter des Tübinger Regierungspräsidiums eine Vereinbarung getroffen, die die beiden als „Betreuungsvergütungserklärung“ bezeichneten. Zwischen 2005 und 2009 übermittelte der Beamte dem Vertreter Personendaten von verbeamteten Lehramtsanwärtern.

„Der Beamte erhielt 16.000 Euro“, bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Walter Vollmer dem Handelsblatt. Mit den Adressen habe der Debeka-Vertreter dann Provisionen in Höhe von 19.000 Euro verdient. Beide Männer wurden zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Das Handelsblatt hatte zuvor berichtete, dass Mitarbeiter der traditionsreichen Versicherung über viele Jahre hinweg von Behörden Adressen von Beamtenanwärtern erwarben, um den angehenden Staatsdienern Versicherungen zu verkaufen.

Debeka-Sprecher Gerd Benner sagte dazu, die Debeka habe ein „solches Fehlverhalten zu keinem Zeitpunkt gewünscht, gefordert oder angewiesen“. Zwar sei nicht zu leugnen, dass Vertriebsmitarbeiter der Debeka Adressen von Beamtenanwärtern gekauft haben. Doch dieses Fehlverhalten beziehe sich auf „einige Fälle in den 1980er- und 1990er-Jahren“.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Bestechung von Beamten: Daten-Affäre bei der Debeka weitet sich aus"

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  • Schön das endlich Aufklärung betrieben ! Die Debeka war seit Jahren immer an Adressen der Anwärter bundesweit gekommen und wir als freie Versicherungsmakler waren außen vor. Es gibt aber auch andere interessante Konstellationen von solchen "Netzwerken" - Betrachten Sie, lieber Autor, doch auch mal die Zusammenarbeit zwischen Kreishandwerkerschaften- Körperschaften des öffentlichen Rechts und der SIGNAL Versicherungsgruppe. Hier wird auch nicht ohne finanzielle Beteiligung "Hand in Hand" gearbeitet. Die Entlohnung soll hier etwas geschickter über überzogene Büromieten, die die SIGNAL in den Häusern der Kreishandwerkerschaft zahlt und Buchung von Seminarräumen laufen. Der gute Handwerksmeister glaubt dagegen es wird nur zu seinem Wohle zusammengearbeitet und zahlt überhöhte Versicherungsprämien!
    Der saubere Vertrieb funktioniert seit Jahren immer weniger, weil die Gier keine Grenzen kennt! Weiter so !!!!!

  • Das ist doch bei allen gleich!
    Nicht nur bei einer Versicherung. Schon mal erlebt, wie Kunden "kalt" angerufen werden... Das ist doch alles scheinheilig hier!
    Wie glauben Sie generiert IHR Unternehmen Umsatz?

  • @Mic

    Genau!! es werden immer die falschen Köpfe abgeschlagen! Zum Verkauf gehören immer noch zwei!!

    Warum wird dieser verlogene ÖD egentlich immre so geschützt?! Ich sags Ihnen....weil die Politiker diese Handlanger brauchen um sich selber die Taschen zu stopfen! Deshalb werden ja auch soviel Beamte installiert, die das Plünderungs-System am laufen halten.

    Die Beamten gehören entsorgt und bestraft!!

    Da ich selber mal in der Verwaltung tätig war, weiß ich wieviele dort lügen und betrügen. Und viele nutzen die Macht um die Menschen zu diskriminieren!!

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