BHF-Kauf
Bafin stellt Blackrock Ultimatum

Der Vermögensverwalter Blackrock muss bis Ende des Monats alle fehlenden Informationen zum Kauf der Privatbank BHF vorlegen. Der Genehmigungsprozess zieht sich bereits außergewöhnlich lange hin.
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FrankfurtDen Interessenten an der Übernahme der Deutschen-Bank-Tochter BHF-Bank läuft die Zeit davon. Der US-Vermögensverwalter Blackrock hat Finanzkreisen nur noch bis Ende des Monats Zeit, die fehlenden Informationen zu liefern, die die Finanzaufsicht Bafin vor der Genehmigung des Kaufs einfordert. Die Bafin habe Blackrock ein Ultimatum gestellt, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

Liefern die Amerikaner nicht, droht der Übernahme das Aus. Das Konsortium um den Finanzinvestor RHJ International hatte sich mit der Deutschen Bank vor knapp einem Jahr auf den knapp 400 Millionen Euro teuren Kauf der BHF-Bank geeinigt. Die vom deutschen Investmentbanker Leonhard Fischer geführte RHJ will die Bank mit dem britischen Institut Kleinwort Benson zusammenführen, das ihm bereits gehört.

Doch der Genehmigungsprozess erwies sich als überraschend langwierig. Die Bafin äußerte Zweifel an der Finanzkraft der künftigen Eigentümer und verlangte daher Nachweise über deren finanzielle Verlässlichkeit. „Die Aufseher wollen sich keinen neuen Problemfall schaffen”, sagte ein Insider. „Die BHF-Bank muss den ersten Gegenwind überstehen können.” Der US-Fondsriese Blackrock, der mit mehreren Fonds mehr als zehn Prozent an der BHF-Bank übernehmen soll, hat die geforderten Angaben nicht geliefert, wie es in Finanzkreisen heißt. RHJ wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Von Blackrock und der Deutschen Bank war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Ein Bafin-Sprecher wollte das Ultimatum nicht bestätigen. „Uns liegen noch nicht alle Anzeigen vollständig vor. Daher können wir den Fall noch nicht abschließend beurteilen”, sagte er. Zu dem Investorenkonsortium gehören neben RHJ und Blackrock auch der Unternehmer Stefan Quandt und die chinesische Fosun Group. Blackrock gehört mit neun Prozent auch zu den größten Anteilseignern an RHJ. Auf der Hauptversammlung von RHJ im Juni hatte Fischer eine Revolte von Hedgefonds abgewendet, die den Kauf der BHF-Bank für zu riskant gehalten hatte.

Der Deutschen Bank war die BHF-Bank mit der Übernahme von Sal. Oppenheim zugefallen. Ein Verkauf an die liechtensteinische Bank LGT war schon am Widerstand der Finanzaufsicht gescheitert. Für Fischer wäre das auf das Jahr 1854 zurückgehende Traditionshaus der Schlussstein beim Umbau des Industrie-Investors RHJ zu einem Finanzhaus unter dem Dach der Privatbank Kleinwort Benson. Die Vorbereitungen haben RHJ schon jetzt Millionen gekostet. Scheitert die Übernahme, dürfte die BHF-Bank ihre Eigenständigkeit endgültig verlieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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