Billionenkredit der EZB
Draghis Geldspritze wirkt nicht

Die Billionenkredit der EZB verfehlt sein Ziel. Das billige Geld stecken die Banken lieber in den Rückkauf eigener Anleihen als in die Unternehmen der Problemländer.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat es mit ihren massiven Geldspritzen bislang nicht geschafft, den Rückgang der Kredite von Banken an Unternehmen in den Krisenländern aufzuhalten. Anfang März hatte EZB-Präsident Mario Draghi noch Zuversicht ausgedrückt: Die Notenbank erwarte, dass die Dreijahreskredite "die derzeitige Stabilisierung der Finanzmärkte weiter stützen und dass sie vor allem die Kreditvergabe im Euro-Raum ankurbeln". Diese Hoffnung weicht nun zunehmend der Ernüchterung. Die EZB habe gehofft, dass das Geld die Realwirtschaft schneller erreiche, beklagte Draghi Ende April.

Die EZB hatte den Banken im Euro-Raum insgesamt gut eine Billion Euro geliehen - zum Zinssatz von einem Prozent und für bis zu drei Jahre. Die Märkte zumindest beruhigten sich zunächst. Bei den Firmenkrediten sieht die Lage anders aus.

Am Montag machten neue Kreditdaten der EZB und der nationalen Zentralbanken das Ausmaß des Fehlschlags im Süden der Euro-Zone deutlich. Im Währungsraum insgesamt sank das ausstehende Volumen an Unternehmenskrediten im März um fünf Milliarden Euro, nach einem Rückgang um zwei Milliarden im Februar. Die Jahreswachstumsrate ging von 0,6 Prozent auf 0,3 Prozent zurück. Bei den Krediten an Haushalte halbierte sich die Zuwachsrate auf 0,6 Prozent. Würde man die Zahlen um die sinkende Kaufkraft bereinigen, müsste man noch jeweils weitere zweieinhalb Prozentpunkte abziehen. Diese Daten verdecken eklatante Unterschiede zwischen dem Norden der Währungsunion, wo zum Beispiel die Unternehmenskredite in Finnland mit einer Rate von zehn Prozent wachsen, und den Krisenländern im Süden, wo sie mit Raten um fünf Prozent schrumpfen.

Nachdem die EZB-Kredite an die Banken um den Jahreswechsel die Anspannungen an den Finanzmärkten deutlich mildern konnten, sind diese in den letzten Wochen wieder gestiegen. Diesmal gehen sie von der Seite der Wirtschaft aus, weil die Krisenländer immer tiefer in die Rezession rutschen und die Finanzmarktakteure nicht sehen, wie diese sich wieder daraus befreien könnten.

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  • Bemerkenswert mit welchen frech- dämlichen Floskeln Typen wie Draghi, Junckers, Merkel, Schäuble und andere Polit- und Finanz-Verbrecher das Versagen ihrer verbrecherischen (Rettungs-) Aktionen nachträglich zu entschuldigen suchen:
    -wir haben gehofft,
    -wir haben geglaubt,
    wir hatten Angst, daß--// (Schäuble vorm BVerG),
    -etc.
    So viele "hoffende gläubige Fachidioten", die aus Angst unfähig sind realistisch zu Denken und logisch zu handeln kann kein System und keine Wirtschaft verkraften!

  • Ja, die ganze Handlungsweise ist gehirn- und planlos.

    An den Baucontainen der Bauträger kann jeder nachlesen, nachsehen was los ist.

    Am vorletzten Wochenende ging im Rhein-Main-Gebiet erstmals eine konkrete Wohnanlage in den Verkauf. Gleich an diesem Tag drückten sich ca. 30 Käufer am Schreibtisch des Verkäufers und außen war bereits eine Liste mit den bereits verkauften Wohnungen aufgehängt.

    Die Bürger haben das Vertrauen in die Politik der EZB und letztlich in die Politik der Regierung verloren. Immer wieder wird man an das Interview und die Analyse (Das endet mit dem großen Knall) von Ludwig Poullain in dieser Zeitung erinnert.
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/ludwig-poullain-das-endet-mit-dem-grossen-knall/4590890.html

  • Diese Theorien sind nicht an der Finanzmarktkrise gescheitert, sie haben sie ausgelöst bzw. überhaupt erst ermöglicht. Eigentlich weiß das seit dem Scheitern des LTCM jeder. Nur nicht die Elite, weil Elite heißt übersetzt: Blöd! Schon während des Scheiterns des LTCM haben die Theorien zweier Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften (Myron Samuel Scholes und Robert C. Merton) bewiesen, dass das so ist. Wobei diese beiden ehrenwerten, pardon, geehrten Herren auch blöditär sind.

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