Botschaftertreffen
Solo für Anshu Jain

Der Deutsche-Bank-Chef hat sich in Berlin Deutschlands Chefdiplomaten vorgestellt. Anshu Jain wurde empfangen wie ein Staatsgast und ein wenig Diplomatie färbte auf ihn ab – aber wirklich nur ein wenig.
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BerlinAls dem Mann, auf den hier im Weltsaal des Auswärtigen Amtes alle gewartet haben, die Frage zu allgemein wird, versucht er es mit einem Witz: "Ohne wären wir hier doch alle arbeitslos", sagt Anshu Jain auf die Frage nach der Bedeutung der Globalisierung – und schaut in die Gesichter von Bundesaußenminister Guido Westerwelle und 250 deutschen Diplomaten. Der erste lacht, der zweite lacht, alle klatschen. Anshu Jain ist angekommen.

Mit einer Mischung aus Humor, Charme und offensiver Demut hat sich der Chef der Deutschen Bank heute einer ersten größeren politischen Öffentlichkeit in Berlin vorgestellt. Es war ein Auftritt, mit dem der Mann, der seit Mai zusammen mit Jürgen Fitschen Deutschlands größtes Finanzinstitut führt, der Politik in seinem Heimatland signalisierte: Hier bin ich, ich komm Euch entgegen – wenn auch ihr mir entgegen kommt. Es war der große Auftritt eines Händlers auf der diplomatischen Bühne.

Der Empfang gerät wie bei einem Staatsakt. Wie sonst an gleicher Stelle Außenminister oder Staatsoberhäupter wird Anshu Jain am Dienstag im Weltsaal des Auswärtigen Amtes angekündigt. Während des diesjährigen Botschaftertreffens aller deutscher Diplomaten soll sich auch Jain dort verstellen. Und bekommt die ganz große Bühne. Eine Stunde lang plaudert Jain zusammen mit Westerwelle vor Diplomaten und Wirtschaftsvertretern.

Für ihn ist das wichtig. Sein neuer Cheflobbyist in Berlin, der ehemalige deutsche Botschafter in Indien, Thomas Matussek, soll ihm den Auftritt besorgt haben, heißt es in Frankfurt. Jain will damit auch Gerüchten entgegentreten, sein Co-Vorsitzender Jürgen Fitschen dürfe die politische Bühne in Deutschland bespielen, er selbst repräsentiere im Ausland.

Jain gibt sich zurückhaltend, aber entschieden. Smart Boy trifft alte Politik. Er nimmt ein wenig Schuld für die Finanzkrise auf die Finanzindustrie, lobt den Standort Deutschland, bekennt sich zu Deutschland als Heimat der Deutschen Bank – und räumt doch keinen seiner Standpunkte. Die Finanzkrise hätten nicht nur die Banken verschuldet, manchmal wäre etwas mehr finanzieller und ökonomischer Sachverstand in der Politik hilfreich.

Kommentare zu " Botschaftertreffen: Solo für Anshu Jain"

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  • Das Thema ist viel zu komplex, Sie kommentieren mit einem lockeren Mundwerk Phrasen von Leuten ohne Sachverstand!

  • Nicht labern, sondern mit gutem Beispiel voran gehen ^^

  • Wäre besser wenn jeder der hier einen Kommentar abgibt auch seinen Namen und Beruf angibt, dann würde auch nicht soviel Müll geschrieben.

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