Brief an Mitarbeiter
Ergo-Chef gesteht Fehler ein

Ergo-Chef Torsten Oletzky ruft seine Mitarbeiter zur Geschlossenheit auf. Die Email, die dem Handelsblatt vorliegt, verrät einiges über den inneren Zustand des Versicherers. Auch über die Haltung zu eigenen Fehlern.
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DüsseldorfDer wegen vieler Negativschlagzeilen in die Kritik geratene Ergo-Chef Torsten Oletzky hat in einem Brief an seine Mitarbeiter und Vertriebspartner Versäumnisse bei der Aufklärung der verschiedenen Skandale innerhalb der Versicherung eingeräumt. „Unter einem solchen Druck passieren leider auch solche Fehler, die eigentlich nicht passieren dürften. Die Folge ist, dass durch das nicht vollständig korrekte Dementi zu Beginn unsere Glaubwürdigkeit weiter gelitten hat“, schreibt Oletzky in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. Er erklärt das Ungeschick damit, dass sein Krisenstab einer Fülle von Hinweisen nachgehen müsse.

Die Email von Torsten Oletzky an seine Mitarbeiter

Nach Enthüllungen über eine Lustreise nach Budapest, die die Ergo-Versicherung 2007 für ihre besten Vertreter organisierte, beschäftigten danach massenhaft falsch berechnete Riester-Verträge den mehr als 100-köpfigen Sonderstab, den die Versicherung eingerichtet hat. Am vergangenen Freitag räumte Ergo ein, dass 14.000 Kunden höhere Kosten berechnet wurden als vertraglich vereinbart.

„Problematisch fand ich, dass wir diesen Fehler in der Aufklärung nicht selbst rechtzeitig gefunden haben, obwohl es hierzu offensichtlich einen Hinweis an den zuständigen Fachbereich gab. Hierüber habe ich mich sehr geärgert“, schreibt Oletzky jetzt in seinem Brief.

Er ruft angesichts der vielen Vorwürfe das Unternehmen zum Zusammenhalt auf. „Sie haben es in den Medien verfolgen können, die negative Berichterstattung über Ergo reißt nicht ab“, schreibt der Vorstandschef. „Man könnte fast ein wenig den Eindruck gewinnen, dass es ein Sport geworden ist, nach Fehlern der Ergo zu suchen.“ nun appeliert er an das Zusammengehörigkeitsgefühl im Konzern: „Unsere Solidarität und Geschlossenheit werden auch in den kommenden Wochen besonders wichtig sein. Deswegen werden wir unseren Weg auch unbeirrt fortsetzen.“


Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Brief an Mitarbeiter: Ergo-Chef gesteht Fehler ein"

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  • Sie berichten leider einseitig! Sie verschweigen z. B. das bei den Riester-Verträgen nicht der Kunde, sondern der Aktionär den Schaden hat! Zudem ist der Schaden bei weitem nicht so hoch wie von Ihnen geschrieben. Ich habe den Eindruck das auch hier gezielt gegen ERGO Stimmung gemacht wird. Doch Vorsicht: Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen!

  • Da haben die Vermittler wohl etwas falsch verstanden, wenn Herr von Bomhard als CEO der Munich Re sagt, dass die Lebensversicherung "ökonomisch nicht mehr sinnvoll ist"! Er wollte damit nicht sagen, löst Altverträge auf und vertickt dann eine (sinnlose) Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr!

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