Christian Bittar und Euribor
Millionenkaution für Ex-Händler der Deutschen Bank

Ein Londoner Gericht hört heute Ex-Angestellte der Deutschen Bank wegen Zinsmanipulationen an. Der berühmt-berüchtigte Ex-Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar soll eine Kaution hinterlegen – und nicht nur er.

LondonEin englisches Gericht ist der Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt, den ehemaligen Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar im Vorfeld eines Prozesses zu einer Kautionszahlung in Höhe von umgerechnet 1,33 Millionen Euro zu verpflichten. Der Banker muss die Summe zahlen, um auf freiem Fuß zu bleiben. Bittar war einer von elf Bankern, die den Euribor-Zinssatz manipuliert haben sollen. Über Jahre manipulierten Händler verschiedener Banken den wichtigen Referenzzins durch illegale Absprachen unter anderem in Chatrooms, lautet der Vorwurf.

Im November hatte das britische „Serious Fraud Office“ (SFO), die britische Spezialeinheit im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität, die Händler angeklagt. Am Montag erschien neben Bittar auch ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bank vor Gericht. Bittar müsse die Summe bis Freitag überwiesen haben und seinen Pass bei Gericht hinterlegen, so die Richterin. Bittar gab als Wohnsitz Singapur an.

Ebenso kamen frühere Angestellte der britischen Großbank Barclays und einer der französischen Société Générale zu der Anhörung vor dem Westminster Magistrates' Court. Sie sollen meist Kautionen zwischen 50.000 und 150.000 Pfund hinterlegen. Fünf der mit den Vorwürfen konfrontierten Personen kamen nicht nach London – vier Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank und ein Ex-Angestellter von Barclays.

Bereits Ende 2013 hatte die EU-Kommission der Deutschen Bank eine Strafe von 725 Millionen Euro wegen der Euribor-Manipulationen aufgebrummt. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Bittar ist der berühmt-berüchtigte Ex-Händler der Deutschen Bank, der in der Finanzkrise den höchsten Bonus in der Geschichte des Geldhauses zugesprochen bekam. Dieser lag wohl bei 90 Millionen Pfund. 

Im August war einer der Hauptverdächtigen im Skandal um den ebenfalls manipulierten Libor-Zinssatz in London zu 14 Jahren Haft verurteilt worden, später wurde die Strafe auf elf Jahre vermindert. Er hatte für Schweizer Großbank UBS gearbeitet. Auch bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft laufen Ermittlungen gegen fünf Beschuldigte, die gegen das Gesetz über den Wertpapierhandel (WpHG) verstoßen haben sollen.

Henning Jauernig
Henning Jauernig
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%