Comdirect-Chef Arno Walter im Interview
„Unsere Wachstumsstrategie geht auf“

Fast 40 Prozent weniger hat die Comdirect im ersten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahr verdient. Der Chef der Direktbank, Arno Walter, ist dennoch zufrieden. Den Grund verrät er im Handelsblatt-Interview.
  • 0

HamburgHerr Walter, die Comdirect hat im ersten Quartal unterm Strich rund 40,7 Millionen verdient – das sind fast 40 Prozent weniger als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Kann man damit zufrieden sein?: Und ob! Sie dürfen nicht vergessen, dass wir im vergangenen Jahr vom Verkauf unserer Anteile am Kreditkartendienstleister Visa Europe profitiert haben – ein positiver Einmaleffekt. Außerdem sind die Bedingungen für Banken derzeit alles andere als einfach.

Das müssen Sie erklären.

Die Zinsen sind noch immer niedrig. Die Zinswende ist für uns noch nicht in Sicht, das wirkt sich auf den Zinsüberschuss aus. Gleichzeitig gab es wenig Volatilität an den Märkten. Deshalb hielten sich die Trader zurück, das belastet unsere Provisionsüberschüsse. Dass wir in diesem Marktumfeld erfolgreich waren, macht mich zufrieden. Wir konnten 150.000 neue Kunden begrüßen...

… weil Sie das Finanzportal Onvista und dessen Kunden übernommen haben.

Natürlich spielt die Übernahme von Onvista eine Rolle. Damit haben wir eine günstige Gelegenheit genutzt. Aber auch das organische Wachstum der Comdirect funktioniert. Netto haben wir dort 48.000 Neukunden begrüßt. Unsere Wachstumsstrategie geht auf.

Apropos Strategie: Ihre Mutter, die Commerzbank, will bis 2020 rund zwei Millionen neuer Kunden dazugewinnen. Welchen Beitrag leistet die Comdirect dazu?

Da gibt es keine Quote. Wir haben natürlich eine Mehrjahresplanung, in der Zahlen stehen. Klar ist, wir leisten unseren Beitrag - dieses Mal sogar einen überproportionalen. Das wird nicht jedes Halbjahr klappen, aber wir geben unser Bestes.

Sie wollen im zweiten Halbjahr das Trading-Geschäft ausbauen, also mehr Hobby-Händler zur Comdirect lotsen. Tun Sie Ihren Kunden damit einen Gefallen? Die Börsenweisheit heißt doch: Hin und Her macht Taschen leer.

Der Spruch gilt für langfristige Investoren. Beim Trading wollen Kunden ja kurzfristige Gewinne mitnehmen und vermeiden. Das geht mit modernen Methoden einfacher als früher. Sie können etwa eine Stop-Loss-Order benutzen, um Verluste zu vermeiden.

Trotzdem zeigen viele Studien, dass die meisten Trader Geld verlieren.

Viele Leute handeln professionell und sind dabei erfolgreich. Wir geben ihnen die nötigen Möglichkeiten dazu. Zum Beispiel bieten wir schon jetzt eine sehr gute Trading-App, und noch einige andere Dinge folgen. Lassen Sie sich überraschen.

Traden Sie eigentlich selbst?

Nein, zum Traden fehlt mir heute die Zeit. Aber als ich 1987 meine Lehre gemacht habe, hab ich mit dem zweiten Gehalt die ersten beiden Aktien gekauft. Das waren Fiat und Hitachi, dabei hieß es damals, das sei ein brandheißer Tipp (lacht). Im Ernst: Manche meiner Kollegen traden gerne, aber ich bin dafür im Anlageverhalten eher konservativ.

Letzte Frage: Die Commerzbank hat einen neuen Großaktionär, den US-Finanzinvestor Cerberus. Was heißt das für die Comdirect?

Mich beschäftigt das Thema im Moment nicht. Auch aus der Comdirect-Belegschaft haben mich dazu noch keine Fragen erreicht. Und was die Commerzbank angeht, müssen Sie Herrn Zielke fragen.

Kommentare zu " Comdirect-Chef Arno Walter im Interview: „Unsere Wachstumsstrategie geht auf“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%