Commerzbank-Hauptversammlung
Ein bisschen Frieden

So ruhig war es selten. Die Aktionäre der Commerzbank geben sich auf der Hauptversammlung merklich friedlicher als in den vergangenen Jahren – obwohl längst nicht alle Probleme der Bank gelöst scheinen.
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FrankfurtNur einmal murren die Aktionäre in Halle 11 der Messe Frankfurt hörbar: Als Martin Blessing sie bei der Dividende vertröstet, geht ein Raunen durch den Saal. „Sehen Sie mir bitte nach, dass ich heute noch keine seriöse Aussage zu einer Dividende treffen kann“, beschwichtigt der Commerzbank-Chef. Erst wolle Blessing den Stresstest der EZB abwarten. Großer Widerspruch regt sich nicht.

Denn die meisten Aktionäre wissen, dass die Bank erst krisensicher gemacht werden muss, bevor es wieder eine Dividende gibt. Wüste Beschimpfungen wie auf vergangenen Hauptversammlungen bekommt Martin Blessing heute nur von einigen Kleinaktionären zu hören. Doch die großen Aktionärsvertreter geben ihm sogar Rückendeckung: Für Aktionärsschützer Klaus Nieding von der DSW ist eine Mini-Dividende von vier Cent, wie sie ein Kleinaktionär vorgeschlagen hatte, keine Alternative. „Da ist es besser die Rücklagen zu stärken.“ Während Blessings Vertragslaufzeit (bis Ende 2016) rechnet Nieding allerdings nicht mehr mit einer Dividende. „Wir können aber feststellen, dass der Patient auf der Intensivstation sich langsam wieder erholt.“

Denn die Commerzbank steht wieder besser da als in den Vorjahren: Das Geschäft mit Privatkunden wächst, der Aktienkurs konnte im Jahresvergleich zulegen, während die riskanten Anlagen in der Bilanz abgenommen haben. In sechs Jahren hat sich die Bilanzsumme mehr als halbiert. Auch die Kapitalbasis ist besser als in den Vorjahren.

Für den Stresstest der EZB sieht sich die Commerzbank gut gewappnet. Finanzchef Stephan Engels betont, dass die Bank acht Milliarden mehr Eigenkapital vorweisen könne, als man brauche, um den Stresstest zu bestehen. Selbst nach strengeren Regeln, die erst 2019 gelten sollen, liege die harte Kernkapitalquote bei neun Prozent – und damit fast auf gleicher Höhe mit der Deutschen Bank. „Der Stresstest wird sehr entscheidend für das Vertrauen sein“, betont Blessing.

Riskante Bilanzbestandteile wie Immobilienportfolios und Schiffskredite sind im vergangenen Geschäftsjahr – auch mit Unterstützung durch die lockere Geldpolitik – um 35 Milliarden auf rund 116 Milliarden Euro abgebaut worden. Bis 2016 soll das Volumen des so genannten NCA-Portfolios auf 75 Milliarden schrumpfen. „Das Portfolio ist keineswegs mit Problemkrediten und einer Bad Bank gleichzusetzen“, betont Blessing.

Der Abbau problematischer Schiffskredite geht zwar nur schleppend voran. Doch ein Fünftel des Portfolios bestehe aus Anleihen deutscher Emittenten, ähnlich hoch sei der Anteil deutscher Gewerbeimmobilien. Ein Umstand, der die Risikovorsorge deutlich unter den Vorjahreswert drückt. Zuletzt habe man sogar qualitativ hochwertige Wertpapiere in die Liquiditätsreserve der Kernbank übertragen können.

Das dürfte vor allem den Bundesfinanzminister beruhigen. Über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) hält der Bund noch immer 17 Prozent der Anteile an der Commerzbank. „Was damit passiert, entscheidet er alleine“, sagt Blessing. Ein Ausstieg wird mit zunehmendem Aktienkurs immer wahrscheinlicher, doch offiziell halten sich die Verantwortlichen noch bedeckt.

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  • Wenn die Coba im Boom keine Divis zahle,wie soll es dann erst in der Krise werden? Wir befinden uns im Zyklus der Hochkonjunktur,auch Boom genannt und was folgt nach dem Boom....?

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