Commerzbank
Martin Blessings verzweifelter Kampf

Ein Großteil der letzten Mehr-Jahres-Strategie des Commerzbank-Chefs ist reine Wunschvorstellung geblieben. Jetzt probiert er es ein weiteres Mal – und streicht dabei die Dividende und wohl mehrere tausend Stellen.
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Düsseldorf/FrankfurtMartin Blessing nimmt die nächste Steilkurve. Der Commerzbank-Chef hat sich in seiner neuen Strategie, die inoffiziell „Roadmap 2016“ genannt wird, ganz dem Privatkundengeschäft verschrieben. Mit einer Milliarde Euro Investitionen will Blessing dem Geschäft wieder Haftung auf der Straße verleihen. Heißt im Klartext: Die elf Millionen Privatkunden sollen endlich wieder deutliche Gewinne abwerfen.

In seiner „Roadmap“ des Jahres 2012 hatte Blessing vier Milliarden Euro als Gewinnziel für das laufende Jahr ausgegeben. Dazu sollte auch das Privatkundengeschäft einen großen Teil beitragen. In der Mitteilung zu den Zahlen des dritten Quartals von Donnerstagmorgen rühmt sich die Commerzbank, „stabile“ 41 Millionen Euro im Privatkundengeschäft erzielt zu haben.

Von den Milliarden-Zielen für 2012 ist Blessing also Lichtjahre entfernt. Aber in der neuen Strategie setzt er sich sogleich eine neue Zielmarke: 2016 sollen die Privatkunden eine halbe Milliarde Euro Gewinn abwerfen. 2008, im Jahr der ersten „Roadmap“, hatte die Commerzbank in dem Segment noch einen Überschuss von 810 Millionen Euro erzielt. 2013 erwartet die Bank einer Präsentation zufolge aufgrund der Neuausrichtung sogar Verluste im Privatkundengeschäft.

„Ein ,weiter so' kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben“, sagte Blessing. „Das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen wird die wichtigste Aufgabe aller Banken in den kommenden Jahren sein.“ Ziel sei der „Aufbau einer modernen Multikanalbank“ und ein flexibleres Filialnetz, erklärte Blessing in einer Mitteilung. „In Zukunft werden unsere Kunden die Produkte und Dienstleistungen der Commerzbank zu jeder Zeit und an jedem Ort erhalten.“

Das Filialnetz, das Ende dieses Jahres 1200 Standorte umfassen soll, soll laut der Commerzbank nicht ausgedünnt werden. Angestrebt ist eine Spezialisierung der Filialen. Auch flexiblere Öffnungszeiten sind in der Diskussion. Die Kundenzahl soll von elf Millionen auf zwölf Millionen gesteigert werden. Blessing will künftig wieder mit dem alten Slogan „Commerzbank. Die Bank an Ihrer Seite“ werben.

Die-Commerzbank-Papiere verloren 3,5 Prozent auf 1,45 Euro und waren damit einer der schwächsten Werte im Dax. Analysten hatten mehr erwartet. Für Enttäuschung sorgten auch die Investitionspläne. Das sei alles nicht sehr überraschend oder revolutionär, sagte ein Händler.

Am Mittwochabend gab die Bank die Eckpunkte die strategischen und finanziellen Ziele bis zum Jahr 2016 bekannt. Ursprünglich hatte das Kreditinstitut heute beim Investorentag den großen Aufschlag geplant. Die Ankündigungen für das Privatkundengeschäft ließen jedoch zwei wesentliche Punkte aus. Die eine Milliarde Euro Investitionen sind größtenteils nachgeholt. Die IT-Systeme der Commerzbank gelten schon lange als veraltet, seit der Integration der Dresdner Bank hat sich in Sachen Technik nichts mehr getan.

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  • Wenn man sich den Lebenslauf des Vorstandes durchliest, kann man nichts erwarten. Die Herren kommen alle von Pleitebanken.

  • 85mdwOertel
    In dieser für die Commerzbank-Angestellten und Aktionäre
    immer prekaerer werdende Situation sollte der Aufsichtsrat
    der Coba doch einfach mal seine Fühler in Richtung des
    rüstigen Rentners und Bankfachmanns Ackermann ausstrecken!

  • Die eigentlich Leidtragenden werden die Angestellten sein. Mit der einen Milliarde Investionen sollte man den Markennamen COMMERZBANK (Macht krank an Deiner Seite) begraben und dann doch lieber wieder die gute alte Dresdner Bank - Die Beraterbank daraus machen. Da war zwar auch mal öfter was nicht in Ordnung, doch das Ansehen dieser Bank war doch noch ein wenig höher und die Marke schlicht bekannter und beliebter.

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