Commerzbank
Niedrigzins schickt den Gewinn in den Keller

Die Commerzbank hat keine guten Nachrichten für ihre Anleger: Im zweiten Quartal schmolz der Überschuss beträchtlich dahin. Auch die harte Kernkapitalquote sackte deutlich ab. Die Bank findet dafür mehrere Gründe.

FrankfurtDer Gegenwind für die Commerzbank wird immer stärker. Im zweiten Quartal sackte der Überschuss um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 209 Millionen Euro ab, wie das Institut am Montagabend in Frankfurt mitteilte. Der operative Gewinn ging um 18 Prozent auf 342 Millionen Euro nach unten.

Das lag zwar nur leicht unter den ohnehin reduzierten Erwartungen der Analysten, die die Commerzbank selbst abgefragt hatte. Mit einem Gewinn von 372 Millionen Euro nach sechs Monaten scheint die Wiederholung des Milliardengewinns vom Vorjahr aber kaum noch realistisch. Die Bank liegt bereits um mehr als 40 Prozent unter dem Niveau zur Jahresmitte 2015.

Die Banken bekommen die Dauerniedrigzinsen immer stärker zu spüren. Auch die Unruhe an der Kapitalmärkten bremst den Erholungskurs der Commerzbank. Der neue Vorstandschef Martin Zielke hatte schon im Mai gewarnt, dass es schwierig werde, das Ziel zu erreichen.

Analysten haben in ihren Prognosen vor allem in der Mittelstandsbank - in den vergangenen Jahren der verlässlichste Gewinnbringer - und im Investmentbanking die größten Abstriche gemacht. Im Geschäft mit den fast zwölf Millionen Privatkunden in Deutschland lag die Bank von April bis Juni dagegen fast auf Vorjahresniveau.

In der Mittelstandsbank werden auch die größten Einschnitte erwartet, wenn Vorstandschef Zielke seine Pläne für die nächsten Jahre vorstellt. Das Geschäft mit Firmenkunden leidet unter der schwächelnden Kreditnachfrage der Unternehmen und den niedrigen Zinsen. Insider gehen davon aus, dass in der Sparte bis zu 20 Prozent der rund 5.700 Stellen gestrichen werden.

Überraschend dünnere Kapitaldecke

Deutlich sackte die harte Kernkapitalquote ab. In den vergangenen drei Monaten rutschte sie um 0,5 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent. Die Bank begründete das zum einen mit erneut verschärften Regeln bei der Berechnung von Risiken im Tagesgeschäft.

Zum anderen musste das Institut angesichts der niedrigen Zinsen seine Pensionsverpflichtungen für die eigenen Betriebsrenten kräftig erhöhen. Auch die höheren Risiken für italienische Staatsanleihen hinterließen Spuren.

Zuletzt hatte die Bank mit ihren Kapitalpuffern des öfteren positiv überrascht. Unter anderem hatte sie sich vor gut einem Jahr mit einer Kapitalerhöhung zusätzlich Luft verschafft. Eigenkapital gilt als wichtiger Puffer gegen neue Schieflagen.

Finanzvorstand Stephan Engels hatte bereits mehrfach vor vorübergehend schwankenden Quoten gewarnt. Die Commerzbank halte aber daran fest, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) für jede Bank individuell vorgegebenen Kapitalquoten einzuhalten, erklärte sie am Montag. Für 2016 sind das nur 10,25 Prozent, bis 2019 steigt die Vorgabe aber auf 11,75 Prozent.

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Commerzbank-Aktie nahe Rekord-Tiefstand

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