Commerzbank
Volle Deckung, Herr Blessing!

Aktienkurs im Keller, kein Gewinn zum Jahresauftakt und auch noch eine Kapitalerhöhung: Commerzbank-Aktionäre sind gebeutelt. Die Führungsspitze trifft der Zorn der Anteilseigner.
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FrankfurtBuhrufe schallen durch die Messehalle in Frankfurt am Main. Die Commerzbank hat ihre Aktionäre zur Hauptversammlung geladen. Das Treffen barg schon im Voraus viel Stoff für Streit. Da entzünden schon Kleinigkeiten den Unmut der versammelten Anteilseigner.

So erwähnt Aufsichtsratschefs Klaus-Peter Müller in seiner einleitenden Litanei, dass der Deckel für die Managergehälter zum abgelaufenen Jahr aufgehoben wurde – und erntet verächtliche Buhrufe aus dem voll besetzten Saal. Später beklagt es ein Redner als Unanständigkeit, dass kein Glas Wasser am Sprecherpult bereitstehe.

Den Unwillen der Aktionäre schürt aber hauptsächlich die Kapitalerhöhung, über die Müller heute abstimmen lässt. Die Hauptversammlung wurde eigens vorgezogen, damit die Anteilseigner über den Schritt abstimmen können. Vorstandschef Martin Blessing will weitere Milliarden der Staatshilfe zurückzahlen. Das Geld soll nun der Verkauf von Aktien einspielen. Den Großteil der insgesamt 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe hat das Geldhaus bereits zurückgezahlt. Allein aus einer Kapitalerhöhung 2011 kamen mehr als elf Milliarden Euro zusammen.

„Wir wollen die Weichen für den Einstieg in den Ausstieg des Staates aus der Commerzbank stellen“, wirbt Blessing vor den Aktionären um sein Unterfangen. „Das sind wir dem Steuerzahler schuldig.“ Doch die Anteilseigner zeigen sich skeptisch. Kein Wunder, der Zeitpunkt ist denkbar schlecht. Für das Jahr 2012 meldete die Bank einen mageren Gewinn von sechs Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch mehr als 600 Millionen.

Die Ankündigung der Kapitalerhöhung schickte den ohnehin schon darbenden Aktienkurs weiter in den Keller. Die Notierung ist seit 2008 um weit mehr als 90 Prozent eingebrochen. Und eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht: Blessing tritt mit leeren Händen vor die Aktionäre. In den ersten drei Monaten des Jahres hat die zweitgrößte deutsche Bank rote Zahlen geschrieben. Grund dafür seien Kosten von einer halben Milliarde Euro für den geplanten Abbau von bis zu 6000 Arbeitsplätzen, führt Blessing als Grund an. Operativ sei die Bank aber „solide“ ins neue Jahr gestartet, hebt Blessing hervor.

Doch den Aktionären reicht das nicht. Und ihrem Unwillen wollen sie Luft verschaffen: bis zur Schließung der Rednerliste am Mittag hatten sich 57 Sprecher angemeldet. Die Versammlung zieht sich in die Länge, bis über die Kapitalerhöhung abgestimmt wird. Kritische, und sogar polemische Angriffe auf Vorstand und Aufsichtsrat ernten ungewöhnlich viel Beifall unter den 4400 Aktionären.

Kommentare zu " Commerzbank: Volle Deckung, Herr Blessing!"

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  • Geisterfahrer
    wie auf der Autobahn steuert Blessing und Müller & Co die Coba in den Ruin, Wer glaubt dass die Coba jemals aus dem langsam sinkenden "Schiff" einen solide fahrenden Tanker mache, der irrt gewaltig. Die Schulden liegen bei über 500 Milliarden, also eine halbe Billion. Dann werden horrende Vorstandsgehälter gezahlt, die im letzten Geschäftsjahr bei über 12,5 Millionen lagen und die Aktionäre - nicht die Großaktionäre - denen es sowieso wurscht ist, denn wie die Allianz, die auch Aktionäre zur Rechenschaft verpflichtet ist, scherrt sich doch nicht um die Coba. Lässt sie im NOtfall absaufen, wie jetzt geschehen. Blessing und Müller sind Handlanger und die Frau von Blessing arbeitet für Goldman & Sachs, die wird bei der Herabsetzung und Heraufsetzung des Grundkapitals wieder mit dabei sein. Und es wird wieder Kapital vernichtet. Wie lange solle man als Aktionär dieses Treiben noch duldig mit ansehen?? Diese Personen gehören in eine Sicherheitsverwahranstalt, weil diese die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht mehr gerecht werden.

  • Die alte Seilschaft Müller und Blessing, Müller als Ex-CEO und langjähriger Sesselkleber und Stallmeister seines Protegees Blessing, jener als blasser Vielversprecher und Nichtshalter.
    Das war heute in der Frankfurter Messe wieder einmal wie Dick und Doof in Bestform.

    Wer glaubt, daß Ignoranz und Unfähigkeit in ihrer Ergänzung zu Prosperität und einem Turn-Around führen kann, sollte sein Geld lieber gleich verbrennen als in Comba-Aktien zu investieren.

    Unverständlich nur, daß der Bund dem schaurigen Treiben dieser beiden seit Jahren untätig zusieht....

  • Mein Mitgefühl mit den Investoren hält sich in Grenzen.

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