Cyberattacke auf japanische Pensionskasse
Stürzt Abe über Hackerangriff?

Großalarm in Japan: Cyberangreifer haben Daten von mehr als einer Millionen Mitgliedern der Pensionskasse erbeutet. Dies stellt auch ein Jahrhundertprojekt der Regierung in Frage: die Einführung einer individuellen Identifikationsnummer.
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TokioEin massiver Hack bei Japans Pensionskasse erschüttert das Vertrauen der Japaner in die Cybersicherheit ihrer Behörden. Wie erst am Montag bekannt wurde, konnten die Angreifer vom japanischem Pensionsdienst durch eine Cyberattacke persönliche Daten von 1,25 Millionen Bürgern erbeuten. Für noch mehr entgeisterte Gesichter als die erfolgreiche Cyberattacke selbst sorgt allerdings der Umgang der Behörde mit dem Angriff.

Bereits am 8. Mai hatte die IT-Abteilung der Behörde festgestellt, dass zwei Angestellte der Behörde infizierte Dateianhänge geöffnet hatten, in denen scheinbar zu Seminaren eingeladen wurde. Zwar wurden die Computer isoliert und die Belegschaft gewarnt, keine Anhänge zu öffnen. Doch zumindest ein Beamter konnte der Versuchung, auf einen Anhang zu klicken, nicht widerstehen.

Schlimmer noch, erst am 19. Mai informierte die Behörde die Polizei. Bis dahin soll die Firewall der Rentenkasse allerdings bereits mehrfach durchlöchert worden sein. In 30.000 Fällen erbeuteten die Hacker Versicherungsnummern und Namen, in 1,17 Millionen Fällen zusätzlich die Geburtstage und in 52.000 Fällen sogar die Adressen der Versicherten.

Sogar das Großprojekt der Regierung, die Verwaltung durch die Einführung einer Kontrollnummer für alle Bürger internettauglich zu machen, sehen Beobachter gefährdet. „Das Leck könnte die öffentliche Opposition gegen die kommende Identifikationsnummer stärken, die die Regierung mit vielen persönlichen Informationen verbinden will“, urteilt die Wirtschaftszeitung Nikkei.

Am Umfang der politischen Reaktion wird deutlich, wie ernst die Regierung den möglichen Fall-out der Cyberattacke nimmt. Erst entschuldigte sich der Chef des Pensionsamts Toichiro Mizushima für das Datenleck. Dann eilte Gesundheitsminister Yasuhisa Shiozaki vor die Presse und versicherte, dass die Pensionszahlungen nicht betroffen seien.

Selbst Ministerpräsident Shinzo Abe wandte sich mit einer kurzen Erklärung an die Öffentlichkeit: „Hier geht es um die Renten der Bürger“, sagte er in die Kameras. „Ich habe Gesundheitsminister Shiozaki angewiesen, die Belange der Versicherten zuerst zu berücksichtigen und ganz sicher zu gehen.“

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  • Wer wurde eigentlich nach dem Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden neuer Bundesinnenminister?

    Bekannt ist, das de Maiziere dieses Amt zuvor inne hatte. Aber jetzt?

    Es könnte aber auch sein, dass dieses Ministerium zwar formell noch existient, aber innerlich wegen Unfähigkeit bereits aufgelöst ist. Dann wäre letztlich auch die Bundesregierung formell noch im Amt, aber sachlich (wie viele behaupten) untragbar.

    Ich stelle hier die Frage, ob wir hier nicht einen Vergleich mit dem System "FIFA" bzw. "Blatter" herzustellen müssen und das System Merkel klarer zu erkennen. Blatter und Merkel haben nicht nur die Gemeinsamkeit ihres Interesses, den Fussball.

  • Unlängst haben wir aus den Medien erfahren, dass die Bundesbehörden erfolgreich aus Sicht der Hacker besucht wurden.

    Mit Blick auf diese Vorkommnisse hat doch die Opposition bestimmt schon die Frage an die Bundesregierung gestellt, welche Vorkehrungen sie und ihre Behörden getroffen haben,

    a) einen solchen vermeintlichen Hackerangriff und
    b) ähnliche Vorkommnisse auszuschließen?

    Bekanntlich wurden den Bundesbürgern in Deutschland seitens der Finanzbehörden eine IDNr. (Identifikationsnummer) bereits einheitlich zugeordnet.

    Wenn die Bundesregierung nicht in der Lage war, ihre eigenen EDV-Systems zu schützen wie will sie dann die Identifikationsnummern der Bürger schützen.

    Vielleicht liegt es aber auch an der Tatsache, dass in den Medien keine derartige Meldungen publiziert werden dürfen, die dort nicht nachlesbar sein sollen? Wenn dem so wäre, dann hätten wir wohl mit dem Fall der "...-Presse" tatsächlich zu tun.

    Der Anlass für diese Wortschöpfung wäre dann nicht auf die Pegida-Demonstranten, sondern auf das Agieren der Bundesregierung zurückzuführen.

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