Deutsche-Bank-Chef Jain
Etappensieg mit Folgen

Der Libor-Skandal bleibt für Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain wohl weitgehend folgenlos. Das stärkt seine Position in der Doppelspitze. Doch der Erfolgsdruck wird damit nicht geringer: Jetzt muss er liefern. Eine Analyse.
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DüsseldorfIn der Doppelspitze der Deutschen Bank sind die Aufgaben klar verteilt: Jürgen Fitschen ist der Moderator, Jain ist der Macher. Während Fitschen die Bank nach außen repräsentiert, die Interessen der Bankenbranche vertritt und enge Kontakte zur Politik pflegt, zieht Jain im operativen Geschäft die Fäden. Eine Arbeitsteilung, mit der die Bank die größten Herausforderungen stemmen wollte: Einerseits den Folgen der Finanzkrise und ihren Regulierungsfolgen Herr werden, andererseits das verlorene Vertrauen der Anleger und Kunden wiederherzustellen. 

Bisher gelingt das eher schlecht als recht. Finanziell hängt die Bank ihren eigenen Plänen hinterher. Auch wenn sie den Stresstest der EZB problemlos bestanden hat, belasten hohe Prozesskosten ihre Bilanz. Im abgelaufenen Quartal wurde erneut ein Verlust eingefahren. Seit Beginn des Jahres ist die Aktie um 30 Prozent eingebrochen. Die Ziele der „Strategie 2015+“ rücken derzeit in unerreichbare Ferne.

Und neben den finanziellen Folgen leidet auch der Ruf des Instituts durch mehr als 6000 Rechtsstreitigkeiten weiter.

Umso gefährlicher war es für die Bank, dass auch Jain und Fitschen ins Zentrum der Ermittlungen gerieten. In den Führungsetagen der Zwillingstürme dürfte der Freispruch durch die Bafin darum mit besonderer Erleichterung aufgenommen worden sein. Wie das Handelsblatt (Montagsausgabe) aus Finanzkreisen erfahren hat, soll er vom Vorwurf der Zinsmanipulation im Libor-Skandal entlastet werden. Weltweit gingen Prüfer dem Verdacht nach, dass einzelne Händler von Großbanken an Referenzzinsen wie Libor und Euribor geschraubt haben, um Handelsgewinne einzustreichen.

Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner kann die Entlastung von Jain darum als persönlichen Erfolg verbuchen. Er war es, der bereits im Sommer 2012 verkündet hatte, "dass von den jetzigen und früheren Vorstandsmitgliedern keiner" in den Libor-Skandal verwickelt sei. Das Geldinstitut hatte selbst ermittelt, inwieweit das Topmanagement in die Skandale verstrickt war, entging damit aber nicht einer Sonderprüfung der Bafin. Mit einem Freispruch wäre der schwerwiegendste Vorwurf der Bafin gegen Jain nun vom Tisch. Er wäre damit vorerst so gut wie aus dem Schneider – im Gegensatz zu Fitschen.

Denn die Ermittlungen gegen den anderen Co-Chef der Deutschen Bank gehen weiter. Im Prozess mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch soll er mehrfach die Unwahrheit gesagt haben. Das hat ihm eine Anklage wegen versuchten Prozessbetrugs eingebracht. Keine gute Voraussetzung, um nach außen und innen den Kulturwandel zu vertreten.

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Alles wird gut - und wenn nicht...

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Chef Jain: Etappensieg mit Folgen "

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  • @Gerhard Achter


    So ist es!

  • wenn das Handelsblatt in den letzten 20 Jahren Aktionär der Deutschen Bank gewesen wäre würden die Schreiberlinge bestimmt nicht der Meinung sein das der Inder jetzt liefern muss sondern würden beten das er und sein überforderter Co freiwillig oder mit Zwang die Bank verlassen.

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