Deutsche Bank
Ein Leiden ohne Ende

Nicht nur die vielen Rechtsrisiken setzen der Deutschen Bank zu, auch das Investmentbanking steckt in einer tiefen Krise. Eine gute Nachricht gibt es jedoch immerhin. Ein Kommentar.
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Frankfurt„Ernüchternd“, so hat John Cryan, der Vorstandschef der Deutschen Bank, den Verlust von 6,7 Milliarden Euro genannt, den die Deutsche Bank in diesem Jahr aller Voraussicht nach ausweisen muss. Dabei handelt es sich wohl um britisches Understatement, denn eigentlich würden einem ganz andere Adjektive einfallen, um die Dauerkrise der Bank zu beschreiben: „dramatisch“, zum Beispiel, oder auch „fürchterlich“, „frustrierend“ würde auch sehr gut passen. 

Denn die Zahlen sind ein Beweis dafür, dass sich die Leidensgeschichte der Deutschen Bank noch lange hinziehen wird. Cryan hat zwar bereits im Herbst klar gemacht, dass schon ein Wunder geschehen müsste, damit die Bank 2015 noch mit einem Gewinn abschließen kann. Analysten hatten bereits ein riesiges Minus von fünf Milliarden Euro einkalkuliert, aber auch das reichte noch nicht aus.

Für die zusätzlichen Verluste sind vor allem neue Rechtsrisiken verantwortlich. Das zeigt, dass auch Cryan mit den gleichen Problemen kämpft, die seinem Vorgänger Anshu Jain am Ende den Job gekostet haben: Jeder noch so kleine Fortschritt droht von den milliardenschweren Kosten für die Aufarbeitung der Skandale der Vergangenheit wieder aufgefressen zu werden. Und an dieser misslichen Lage wird sich so schnell nichts ändern, denn die Liste der Rechtsrisiken ist nach wie vor lang.

Doch Cryan kämpft nicht nur mit den Problemen, die er geerbt hat. In der dürren Botschaft, mit der die Bank am Mittwoch Abend den überraschend hohen Verlust meldete, ist auch davon die Rede, dass es im Investmentbanking im vierten Quartal nicht mehr rund lief. Das heißt, dass der wichtigste Gewinnmotor der Bank ins Stottern gerät, während Cryan gleichzeitig versucht, die Bank vom Kopf auf die Füße zu stellen. Bis Ende 2018 hat sich der neue Chef dafür Zeit genommen, angesichts der Sisyphus-Aufgabe, vor der der Brite steht, ist das ziemlich knapp kalkuliert.

Wie weit der Niedergang von Deutschlands größtem Geldhaus inzwischen fortgeschritten ist, zeigt der Vergleich zur US-Konkurrenz, die die Folgen der Finanzkrise deutlich schneller hinter sich gelassen hat. Nach dem dramatischen Kursrutsch Anfang dieses Jahres ist die Deutsche Bank an der Börse nur noch 24 Milliarden Euro wert, große US-Banken, mit denen sich die Frankfurter vor noch gar nicht so langer Zeit in einer Liga wähnten, bringen es locker auf 150 bis 200 Milliarden Dollar. Dieser Abstand dürfte sich in den kommenden Monaten eher noch vergrößern als verkleinern.

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Auf absehbare Zeit im Krisenmodus

Kommentare zu " Deutsche Bank: Ein Leiden ohne Ende"

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  • Gedankenübertragungen! (Vgl. die Uhrzeit)

  • Vier Mann kommt aus dem Rechnungswesen und er wird wissen, was zu tun ist. Seine Vorgänger kamen nicht aus dem Rechnungswesen und haben scheinbar gemacht, was sie wollten. Möglicherweise haben sie die Bilanzierung des virsichtigen Kaufmanns erst gar nicht verstanden und lediglich den eigenen Bonus maximiert.

    Erinnern wir uns noch an das bekannte "V", das Viktoryzeichen.

    Man wird den Eindruck nicht los, dass hier Wirtschaftslenker unserer Sozialstaat vorgeführt und ausgenutzt haben. Wir brauchen schon eine effiziente Aufsicht und keinen Lobbyistenverein. Ich denke da besonders an Elke König, ehemalige Präsidentin der BAFin, die die Versicherungen mit dem Lebensversicherungsreformgesetz so übergroßzügig beglückte. Sie hat als Dank einen gut dotierten Job bei der EU erhalten.

    So geht Korruption.

    Ist es da noch verwunderlich, wenn die "Braunen" in unserem Land abräumen wie sie wollen.

    (Von noch größerer Tragweite erwarte ich den Fall "Draghi".)

  • Was macht eigentlich Herr Ackermann?

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