Deutsche Bank in der Identitätskrise
Wer bin ich und wenn ja wie viele?

Die Aktionäre erkennen ihre Deutsche Bank nicht wieder: Lahmender Aktienkurs, verschleppter Strategieumbau, Sünden der Vergangenheit. Sie gehen hart mit dem Vorstand ins Gericht – zu Recht meint unser Reporter.
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FrankfurtWer ist Anshu Jain – und wenn ja, wie viele? Diese Frage stellt sich auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank beinahe zwangsläufig. „Weil es heute auf jedes Wort ankomnmt“, hielt der Co-Vorstandschef seine Rede in diesem Jahr auf Englisch, statt sie auf Deutsch abzulesen wie 2014.

In der Frankfurter Festhalle war allerdings Jains englische Stimme nicht zu hören, sondern nur die deutsche Übersetzung. So entstand eine merkwürdige Distanz zwischen Jains Lippenbewegungen und der asynchronen Übersetzerstimme, die zu allem Überfluss auch noch einen englischen Akzent hatte. Der einigermaßen bizarre Eindruck kann als Symbol für die Identitätskrise der Bank stehen.

Bis vor ein paar Wochen war schließlich noch nicht klar, wer die Deutsche Bank sein würde und wie viele. Auch wenn seit Ende April mit dem Verkauf der Postbank und den Einsparungen im Investmentbanking jetzt zumindest die Eckpunkte der neuen Strategie stehen, hat sich die Bank noch lange nicht selbst gefunden. Wie viel noch zu tun bleibt, zeigt das große Stühlerücken im Vorstand in der Nacht vor der Hauptversammlung.

Auf dem Aktionärstreffen selbst stehen die Zeichen erst einmal auf Rechtfertigung. Nach der inzwischen fast schon rituellen Entschuldigung für die Skandale der Vergangenheit und das notorische Verfehlen der selbst gesetzten Ziele, versuchen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Co-Vorstandschef Jain zu erklären, warum die Bank in den vergangenen Jahren trotzdem große Fortschritte gemacht hat, und warum das Frankfurter Geldhaus jetzt endgültig und ein für allem Mal auf dem richtigen Weg sei. Neue Erkenntnisse bringen die Reden allerdings kaum – und sie werden auch kaum dazu beitragen, den Zorn der Aktionäre zu besänftigen.

Ingo Speich, Fondsmanager beim Großaktionär Union Investment spricht in seiner Rede von erschüttertem Vertrauen und von einem Alptraum für die Aktionäre. Kein Wunder, dass Speich wie viele andere Großaktionäre den Vorstand nicht entlasten will. Hans-Christoph Hirt vom einflussreichen britischen Aktionärsberater und Pensionsfonds Hermes Eos, fordert nach all den Enttäuschungen der Vergangenheit den Aufsichtsrat der Deutschen Bank – trotz der Veränderungen aus der Nacht – auf, den Vorstand der Deutschen Bank neu zu besetzen. Und seine Kritik richtet sich direkt gegen Fitschen und Jain.

Hirts Misstrauensvotum schmerzt doppelt, denn der Londoner Fondsmanager kommt aus der gleichen Welt wie Jain – aus der Welt des Shareholder Values, in der am Ende zählt, was für die Aktionäre herausspringt.

Abgestimmt wird am Ende der Hauptversammlung. Normalerweise sehen die Wahlergebnisse auf deutschen Aktionärstreffen ähnlich aus wie in der früheren DDR. Bei der Deutschen Bank drohen dem Vorstand und damit Jain und Fitschen in diesem Jahr mindestens ein Fünftel Gegenstimmen. Das wäre mehr als eine Verwarnung. Es wäre eine Blamage.

Kommentare zu " Deutsche Bank in der Identitätskrise: Wer bin ich und wenn ja wie viele?"

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  • Selten war die Diskrepanz zwischen einem Unternehmens - Claim " Leistung aus Leidenschaft " -wenn man diesen denn als Versprechen gegenüber den Stakeholdern versteht - größer als bei der Deutschen Bank. Der seit langem versprochene Kulturwandel ist ausgeblieben und die neue Strategie mutet wenig überzeugend an. Für einen glaubwürdigen Kulturwandel ist ein inneres Wertegerüst erforderlich und nicht nur der Aufbau einer Compliance - Organisation, die offensichtlich primär dafür Sorge trägt, daß einzelne Vorstände von einer Mithaftung in ihrem jeweiligen Bereich verschont bleiben. Ein Kulturwandel wird von Persönlichkeiten getragen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und dieses glaubwürdig vorleben. Dies gilt nicht nur für den Vorstand sowie den Aufsichtsrat - aber doch in erster Linie gerade für diese.

  • Das Einzige, was mich bei der Deutschen Bank wirklich interessiert, ist, wann ihnen die Derivate um die Ohren fliegen

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Breuer u. Ackermann haben den Niedergang eingeleitet. Die jetzigen Flachmänner sind nur noch Undertaker!!

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