Deutsche Bank
John Cryan überrascht mit schwarzen Zahlen

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal trotz sinkender Erträge überraschend einen Gewinn eingefahren – Analysten hatten mit einem Verlust gerechnet. Die Anleger sind erfreut: Die Aktie legt kräftig zu.
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Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal einen Gewinn von 579 Millionen Euro vor Steuern eingefahren. Analysten hatten im Schnitt einen Verlust vor Steuern von 172 Millionen Euro erwartet. Unter dem Strich verbuchte das größte deutsche Geldhaus einen Gewinn von 236 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Plus von 1,5 Milliarden Euro zu Buche. Die Erträge sanken um rund 2,5 Milliarden Euro auf rund acht Milliarden Euro, wie von Experten prophezeit. Die Deutsche-Bank-Aktie stieg um 3,4 Prozent.

Bei der Bewältigung ihrer Altlasten sieht die Bank Licht am Ende des Tunnels. Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten waren in den ersten drei Monaten des Jahres 1,4 Milliarden Euro niedriger als im ersten Quartal 2015. Der Großteil der gelösten Fälle sei durch Rückstellungen abgedeckt. Für Abfindungen und sonstige Kosten des Umbaus im Deutschland-Geschäft legte die Deutsche Bank 285 Millionen Euro zurück. Sie will im Inland Tausende von Stellen abbauen.

Die Erlöse sanken in allen Sparten – außer bei der zum Verkauf stehenden Postbank. Im Handel mit Aktien und Anleihen brachen sie um jeweils 23 Prozent ein, im restlichen Investmentbanking um 15 Prozent.

„Die Finanzmärkte waren im ersten Quartal schwierig“, sagte Vorstandschef John Cryan. Die Kunden zweifelten an der Entwicklung der Weltwirtschaft und hielten sich deshalb zurück. „Unsere Erträge waren im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, vor allem im Wertpapierhandel und bei Unternehmensfinanzierungen.“ Cryan begründete den Rückgang am Donnerstag auch damit, dass sich die Bank wie angekündigt ganz oder teilweise aus bestimmten Ländern und Geschäften zurückgezogen habe. Operativ habe die Bank aber Fortschritte gemacht, etwa bei der Modernisierung der IT.

Cryan sieht Deutschlands größtes Geldhaus in diesem Jahr beim Ergebnis an der Null-Linie. „Es ist einigermaßen unklar, ob wir in diesem Jahr einen kleinen Gewinn oder einen kleinen Verlust ausweisen werden“, sagte der Manager am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Wir sind an der Schwelle.“

Vorstandschef John Cryan kann jetzt optimistischer auf das Gesamtjahr blicken, nachdem er Investoren bereits auf schwache Zahlen vorbereitet und einen leichten Verlust nicht ausgeschlossen hatte. 2015 hatte die Bank wegen der hohen Kosten für den tiefgreifenden Umbau und die hohen Rechtsrisiken mit einem Rekordminus von 6,8 Milliarden Euro abgeschlossen.

Im ersten Quartal war der Aktienkurs des Geldhauses massiv unter Druck geraten und auf ein neues Allzeittief von 13,03 Euro gefallen – so schlecht hatten die Investoren die Aktie nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bewertet. Ein Grund für die Nervosität der Anleger war die Furcht, dass die sinkende Profitabilität dazu führen könnte, dass das Institut die Zinsen für seine riskantesten Anleihen nicht mehr bezahlen kann.

Vorstandschef Cryan und sogar Finanzminister Wolfgang Schäuble versicherten damals, dass die Deutsche Bank „grundsolide“ sei. Der Aktienkurs hat sich seither zumindest etwas erholt, und auch am Anleihemarkt fielen die in die Höhe geschossenen Risikoprämien wieder.

Ein Blick auf den Markt für Kreditausfallversicherungen zeigt allerdings, dass die Investoren die Bank noch immer kritischer sehen als die Konkurrenz. Der Informationsdienst Bloomberg hat ausgerechnet, dass die Kosten für eine Absicherung gegen den Ausfall von Anleihen des Frankfurter Geldhauses noch immer knapp 70 Prozent über dem Durchschnitt ihrer zwölf größten Wettbewerber liegen.

Ein Grund zur Sorge für die Investoren ist die Kapitaldecke der Bank, einige große Investoren und Experten wie Stuart Graham vom angesehenen Analysehaus Autonomous fürchten, dass die Eigenkapitalpuffer angesichts der immer härteren Vorgaben der Regulierer nicht ausreichen werden. Im ersten Quartal sank die Kernkapitalquote von 11,1 auf 10,7 Prozent.

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  • Ralph S.@
    Zahlen Sie noch KESt. ? Noch keinen Briefkasten im Ausland um diese völlig unberechtigte Steuer zu vermeiden ?

  • Investment-Banking, welch ein nettes Wort für eine besondere Art des Betrugs. Hier geht es doch nur darum, den anderen aus zu ticksen und so zu täuschen, dass man Gewinne einstreichen kann. Dass es fast immer die Klein-Anleger sind, die hier bezahlen, versteht sich von selbst. Gegen die Markt-Manipulation der Großen haben die Gutgläubigen keine wirkliche Chance.

    Investment-Banking ist genau so unethisch, wie Kriegswaffen-Exporte und das Verzeheren von Tierleichen. Auch wenn man dieses Fehlverhalten kurzfristig nicht abschaffen kann, so reicht es schon, wenn man sich langsam davon löst.

  • Die Frage bleibt jedoch, woher sollen künftig eigentlich die Erträge noch kommen bzw. in welchen Bereichen will die Dt. Bank Geld verdienen, wenn man im Investmentbanking den Mitarbeitern den Bonus reduziert und die Fähigen daraufhin das Unternehmen freiwillig verlassen ?

    Ist doch verständlich nachvollziehbar und die logische Konsequenz, wenn es ans eigene Portemonnaie geht. Gerade im Investmentbanking ist der Bonus das Salz in der Suppe. Und die Konkurrenz schläft ja auch nicht.

    Oder man(n) stellt sich eben auf eigenen Füßen und arbeitet mit eigenem Kapital auf eigene Rechnung. Ist eh am lukrativsten. Joe hat uns jedenfalls allen gezeigt, wie das geht; wie man(n) Geld mit Geld verdient bzw. aus Geld mehr Geld macht.

    Ps: Gemeint ist nicht nur ein 6 bis 7-stelliges Jahreseinkommen (kapitalbasierte Handelserträge, zum Glück in Deutschland nur KESt/Abgeltungssteuerpflichtig statt 50 % Lohnsklavensteuer), sondern Steuerlast im Jahr an den Fiskus.

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