Deutsche Bank
Postbank-Übernahme steht vor der Vollendung

Vor gut drei Jahren fiel bei der Deutschen Bank die Entscheidung zum mehrstufigen Erwerb der Postbank. Nun steht der letzte Akt in der Übernahme an. Dabei werden die Altaktionäre der Tochter wohl leer ausgehen.
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FrankfurtDie Deutsche Post liefert in der laufenden Woche voraussichtlich zwei Pakete bei der Deutschen Bank ab, die Vorstandschef Josef Ackermann bestellt hat. Dabei handelt es sich um die restlichen Aktien an der Postbank, mit denen das größte deutsche Geldhaus seinen Einfluss bei der neuen Tochter auf deutlich über 90 Prozent ausbauen wird. Allerdings dürfen sich die verbleibenden Postbank-Anteilseigner im Streubesitz nach Angaben aus Finanzkreisen wenig Hoffnung auf ein attraktives Angebot der Deutschen Bank für ihre Papiere machen.

"Ein Squeezeout ist nicht vorgesehen", sagte am Wochenende eine mit den Planungen vertraute Person. Die Postbank bleibe eine eigenständige Aktiengesellschaft, was auch zum Erhalt der Marke passe, hieß es weiter. Squeezeout ist eine Zwangsabfindung, bei der Aktionäre in der Regel einen kräftigen Aufschlag auf den Aktienkurs erhalten. Zuletzt war der Streubesitz noch mit 8,5 Prozent angegeben worden, die Deutsche Bank hat an der Börse aber weitere Aktien zugekauft.

Die Deutsche Bank und die Postbank hatten sich vor gut drei Jahren auf eine mehrstufige Übernahme der Bonner Filialbank verständigt. Inmitten der Finanzkrise waren die ursprünglichen Konditionen im Januar 2009 noch einmal nachgebessert worden. Die Deutsche Bank konnte so ihr Kapital stärker schonen, während die Post die gesamten Erlöse aus der Transaktion früher einstreichen konnte. Geld fließt deshalb heute nicht mehr.

Rainer Neske, der Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, hatte den gesamten Aufwand zur Übernahme der Postbank im vergangenen Herbst auf 5,9 Milliarden Euro veranschlagt. Stefan Krause, der Finanzvorstand der Deutschen Bank, hatte für sein Haus in einem ersten Schritt 22,9 Prozent der Postbank erworben, die einfache Mehrheit kam danach über ein freiwilliges Übernahmeangebot zu einem Kurs von 25 Euro je Postbank-Aktie zusammen. Nun geht in dieser Woche der letzte Akt über die Bühne - im Gesamtpreis ist er bereits berücksichtigt. Dabei handelt es sich um eine Pflichtumtauschanleihe, die jetzt in 60 Millionen Aktien oder 27,4 Prozent an der Postbank getauscht wird.

Vor drei Jahren war ein Kurs von 45 Euro - abgeleitet aus einer Barwertrechnung zum Abschluss der Transaktion - indiziert worden. Außerdem kann die Deutsche Bank eine Kaufoption für 26,4 Millionen Aktien oder 12,1 Prozent an der Postbank ausüben. Unter dem Strich wird der Branchenprimus nach den letzten Transaktionen 91,5 Prozent an der Postbank halten. Dabei sind freie Käufe an der Börse aber noch nicht berücksichtigt. Am Freitag notierte die Postbank-Aktie an der Börse mit knapp 28 Euro.

Aus heutiger Sicht hat die Deutsche Bank für die Postbank zu viel bezahlt, allerdings galt es vor drei Jahren auch zu handeln, weil der spanischen Santander ein Interesse an der Postbank nachgesagt worden war. Auf jeden Fall hat die Deutsche Bank mit dem Erwerb von 14 Millionen Kunden, 1100 Filialen und einem Kundengeschäftsvolumen von 185 Milliarden Euro ihre Stellung auf dem Heimatmarkt ausgebaut. Sie liegt im Privatkundengeschäft jetzt auf Rang drei nach den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken. Entscheidend wird nun sein, wie schnell sich die versprochenen Kosteneinsparungen realisieren lassen.

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