Deutsche Bank
Wer für die Kirch-Millionen zahlt

Mit 925 Millionen Euro kauft sich die Deutsche Bank aus dem Verfahren mit den Kirch-Erben heraus. Anlegerschützer kritisieren den Vergleich scharf. Geht die Deutsche Bank jetzt gegen ihren Ex-Vorstandschef Breuer vor?
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Frankfurt/DüsseldorfDie Deutsche Bank hat heute einen ihrer wichtigsten Prozesse zu den Akten gelegt. Der Streit mit den Kirch-Erben um ein fatales Fernsehinterview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf-E. Breuer hatte über zehn Jahre die Gerichte beschäftigt. Nun haben sich die Parteien außergerichtlich geeinigt.

Der berühmte Satz Breuers „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zu stellen.“ wird damit zu einem der teuersten Sprüche der Wirtschaftsgeschichte.

Nach Angaben aus Finanzkreisen wird der Vergleich am Donnerstagvormittag im Oberlandesgericht München notariell besiegelt. Anwesend sind die Anwälte der Kirch-Erben, der Rechtsbeistand von der Kanzlei Hengeler Mueller für Ex-Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer sowie Vertreter der Rechtsabteilung der Deutschen Bank. Der Vergleich beläuft sich auf insgesamt 925 Millionen Euro, und setzt sich aus einer Basiszahlung über 775 Millionen Euro plus diverser anderer Aufwandsposten zusammen. Der Vergleich werde aufgrund der vorhandenen Risikovorsorge zu einer Ergebnisverringerung von rund 350 Millionen nach Steuern in vierten Quartal 2013 führen, erklärte die Bank.

Insgesamt ist die außergerichtliche Einigung damit etwa 100 Millionen Euro teurer als beim Vergleichsanlauf unter dem früheren Vorstandschef Josef Ackermann. Die Erben von Medienunternehmer Leo Kirch geben sich zufrieden. „Wir begrüßen die Einigung, auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass Leo Kirch dies noch erlebt hätte“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. „Der angerichtete Schaden wird allerdings nur in Teilen wieder gut gemacht.“ Die Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain lassen per Pressemitteilung erklären: „Mit der heutigen Vereinbarung legen wir einen altbekannten und langjährigen Rechtsstreit bei. Nach unserer Einschätzung liegt dies im besten Interesse unserer Stakeholder.“

Das sehen nicht alle so: „Schlussendlich zahlen dafür die Aktionäre“, ist sich Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sicher. Heute notiert die Aktie der Deutschen Bank knapp zwei Prozent im Minus. Aktionärsschützer werden sich den Vergleich genau ansehen.

Kommentare zu " Deutsche Bank: Wer für die Kirch-Millionen zahlt"

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  • dann sollte breuer ja wohl bald den karlspreis bekommen. Oder hat er den schon?

  • Und deshalb, liebe Kinder, gibt es Gerichte, die sich die Beweise anschauen und entscheiden dürfen. Sonst finden sich irgendwelche Klugscheisser im Internet, die immer eine Meinung haben und irrsinnig glauben, alles über jeden wissen zu müssen.

  • Mich würde interessieren, wohin das (Vergleichs-)Geld fliesst. Wenn die Äußerungen von Herrrn Breuer doch zu einer Insolvenz der ganzen Kirch-Gruppe geführt haben, müssten doch eigentlich die Insolvenzverwalter und mit ihnen die Gläübiger die Nutznießer sein?

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