Deutsche Börse
Der China-Mann macht Tempo

Fünf Monate ist Carsten Kengeter im Amt, schon hat der neue Chef der Deutschen Börse ein neues Joint-Venture in China eingetütet. Der Blitz-Deal kommt nicht von ungefähr: Kengeters Erfolg in Peking hat ein Geheimnis.

FrankfurtHenry Ford wusste, wie man Geld verdient. Der legendäre Auto-Industrielle gab Geschäftsleuten eine Weisheit mit auf den Weg, die bis heute gilt: „Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des Anderen zu verstehen“, soll Ford gesagt haben. Vielleicht erklärt das den Erfolg von Carsten Kengeter. Der neue Chef der Deutschen Börse hat am Donnerstag einen aufsehenerregenden Deal mit der chinesischen Zentralbank unter Dach und Fach gebracht – dabei ist er gerademal seit Juni im Amt. Die Chinesen versteht er wohl tatsächlich besser als sein Vorgänger Reto Francioni: Kengeter spricht etwas Mandarin und hat früher als Investmentbanker in der Region gearbeitet.

Mit dem Deal drückt der neue Börsenchef aufs Tempo: Er will ein zweites deutsch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Frankfurt ins Leben rufen. Zusammen mit der chinesischen Zentralbank will die Börse dort den Handel von Zins- und Währungsderivaten ermöglichen. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung hat Kengeter in Peking im Beisein des chinesischen Premiers Li Keqiang und Bundeskanzlerin Angela Merkel unterzeichnet.

Zudem brachte Kengeter bei der China-Reise die schon im Mai angekündigte Gründung der Gemeinschaftsbörse CEINEX (China Europa International Exchange) unter Dach und Fach. Die Plattform soll schon am 18. November an den Start gehen und den Handel mit Anleihen und Indexfonds in der chinesischen Währung Renminbi anbieten. Laut der Deutschen Börse handelt es sich dabei um die erste Handelsplattform für Transaktionen in der chinesischen Währung Renminbi außerhalb der Volksrepublik.

Die neuen Kooperationen sollen dazu beitragen, die Wachstumsziele der Börse zu erreichen. Im laufenden Geschäftsjahr haben die Turbulenzen an den Finanzmärkten das Geschäft der Eschborner kräftig beflügelt: Im dritten Quartal konnte die Börse ihre Nettoerlöse im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent auf 594 Millionen Euro steigern. In diesem Jahr will der Konzern zwischen 2,2 und 2,4 Milliarden Euro verdienen.

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