Dispozinsen
Kleine Banken langen kräftig zu

Banken können sich von der EZB kostenlos Geld leihen, doch der Zins für die Überziehung des Kontos ist laut Stiftung Warentest durchschnittlich nur um 0,1 Prozent gesunken. Welche Banken besonders hohe Zinsen verlangen.
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BerlinViele Banken geben Zinsvorteile nach wie vor nicht an ihre Kunden weiter. Dafür ist der Dispozins ein gutes Beispiel.

Banken können sich bei der Europäischen Zentralbank schon seit geraumer Zeit kostenlos Geld leihen. Gleichwohl ist der durchschnittliche Zins für die Überziehung des Kontos innerhalb eines Jahres lediglich um 0,1 Prozentpunkte auf 9,78 Prozent zurückgegangen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Finanztest. Die Verbraucherschützer untersuchten die Preispolitik von 1377 Banken, Sparkassen und Volksbanken.

Dabei stellte sich heraus, dass insbesondere kleine Banken kräftig zulangen. An der Spitze stehen die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost und die Rosbacher Raiffeisenbank, die für Kontoüberziehungen Zinsen von 13,75 Prozent und 13 Prozent verlangen. Bei 26 weiteren Banken müssen die Kunden mehr als zwölf Prozent berappen.

Dass es auch anders geht, beweisen beispielsweise die Direktbanken. Die Deutsche Skatbank berechnet bei ihrem Kontomodell Trumpf 4,17 Prozent, die Comdirect Bank verlangt 6,5 Prozent. Das kann aus Sicht von Finanztest nicht unbedingt Vorbild für alle Banken sein, die beispielsweise auch noch Filialen haben. Aber: „Ein akzeptabler Zins für die Kontoüberziehung liegt unserer Meinung nach bei maximal acht Prozent“, schreiben die Verbraucherschützer.

Der Test unterstreiche, dass die Dispozinsen bei vielen Banken und Sparkassen noch immer weit von einem guten Zinsniveau entfernt seien, rügt die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch. Hier werde deutlich zu hoch auf Kosten insbesondere auch finanziell schwächerer Menschen gewirtschaftet. Die von der Koalition eingeführten Transparenzregeln seien „zu lasch“. „Es braucht endlich einen flexiblen Deckel für Dispozinsen, welcher sich am realen Zinsumfeld orientiert“, fordert Maisch.

Bei aller Kritik hebt „Finanztest“ positiv hervor, dass bis auf fünf Banken fast alle Institute inzwischen ihren Dispozins im Internet veröffentlichen. Dazu sind sie zwar schon seit März 2016 verpflichtet, doch viele Institute ließen sich Zeit mit der Umsetzung.

Das heißt aber nicht, dass die Kunden jetzt in den Genuss vollständiger Transparenz kommen. So tricksen viele Institute bei der Zinsanpassung. Banken sind seit 2010 verpflichtet, eine Zinsanpassung in nachvollziehbarer Weise darzustellen. In einer Zinsanpassungsklausel müssen sie darlegen, an welchen Referenzwert sie den Dispozins koppeln. Das kann der Leitzins der Notenbank sein. Einige koppeln die Zinsanpassung aber an die Bonität des Kunden.

Bei einigen ist der Referenzzins ins Minus gegangen, doch diese Institute behandeln diesen negativen Referenzzins wie null – die Kunden haben also nichts davon. Eine Bank erhöhte sogar den Zinssatz für Dispokredite um zwei Prozentpunkte. „Was haben Klauseln für einen Sinn, wenn bei anhaltend niedrigen Zinsen die Disposätze zu Lasten des Kunden geändert werden können“, fragt sich Finanztest.

Zudem ist nicht alles Gold, was glänzt. Finanztest hat beobachtet, dass Banken Premiumkonten anbieten, die Kreditkarten und geringe Disposätze beinhalten. Allerdings sei bei diesen speziellen Konten die Kontoführungsgebühr so hoch, dass Kunden, die den Dispo regelmäßig nutzen, wahrscheinlich mehr aufwenden müssen als für einfache Konten mit höherem Dispozins. Der Bankkunde wird also nicht aus dem Obligo entlassen.

Kommentare zu " Dispozinsen: Kleine Banken langen kräftig zu"

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  • Das meiste Geld machen sich die Banken selber durch Kreditvergabe. Sie schöpfen Giralgeld aus dem Nichts. In der Schweiz gibt es einmal wieder Initiativen vom Schuldgeld wegzukommen und Vollgeld einzuführen also Geld, was ausschließlich von Zentralbanken geriert wird. Im bisherigen System ist die Einlage bei einer Bank ein Kredit an eben diese und bei Konkurs der Bank eben futsch. Dann kann der Sparer von der Einlagensicherung träumen. Beim Vollgeld wären Einlagen ebenso wie ein Wertpapierdepot Sondervermögen und blieben bei Konkurs der Bank erhalten. Warum schreiben sie nicht einmal über so etwas. Es gäbe wohl mächtig Ärger mit einflussreichen Herren.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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