DVAG gegen AWD
Mission Rufmord

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Überraschende Wende in jahrelanger Schlammschlacht

Und obwohl es den Anschein hatte, als sei der AWD unter juristischem Dauerfeuer, kamen mehrere Anzeigen, anonym versendete Daten-CDs oder gut frisierte Unternehmenszahlen am Ende vom gleichen Absender: Schabirosky. Selbst als er durchgab, dass eine ausgelöste Ermittlung von der Staatsanwaltschaft – leider leider – vor der Einstellung stehe, gab es noch Journalisten, die wider besseren Wissens einen langen Artikel über die Vorwürfe schrieben, die von den Ermittlern schon für zu leicht befunden wurden.

Schabirosky verbuchte all das als seinen Erfolg. In seinem Buch druckt er neben E-Mails von Redaktionen auch Kanzleirechnungen oder Spesenabrechnungen ab. Gespart wurde nicht. Die Belege stammten von ersten Hoteladressen, gereist wurde in der Regel erster Klasse. Alle sechs, acht Wochen will er sich mit DVAG-Direktor Gerd Schneider im Mövenpick am Hamburger Flughafen getroffen haben.

Und Maschmeyer? Erst verkaufte Maschmeyer den AWD, später verschwand auch der Name. Was blieb, war Maschmeyers Image als Drückerkönig und Rentnerschreck.

Das Buch „Mein Auftrag: Rufmord“ markiert insofern die überraschende Wende einer seit Jahrzehnten andauernden Schlammschlacht. Die DVAG, gegründet 1975, hatte bereits in den 1980er Jahren mehr als eine Million Kunden und schloss Verträge im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro ab. Ihr Gründer Reinfried Pohl (er verstarb 2014) erhielt 1988 das Bundesverdienstkreuz, sein Unternehmen wurde dagegen für seine Verkaufsmethoden immer wieder scharf gescholten. Gegen ein Enthüllungsbuch ihres ehemaligen Mitarbeiters Wolfgang Dahm zog die DVAG bis vor den Bundesgerichtshof – und verlor. „Der Spiegel“ nannte das Unternehmen 1995 die „größte Drückerkolonne Deutschlands“.

Stefan Schabirosky:
Mein Auftrag: Rufmord
Carsten Maschmeyer im Visier. Ein Rufkiller packt aus.
Herbig Verlag, Stuttgart 2017
ISBN: 9783776628104
240 Seiten, 22 Euro

JETZT HIER LESEN: Auszüge aus dem am
16. August 2017 erscheinenden Buch als Vorabdruck

Der AWD, der Allgemeine Wirtschaftsdienst, schon 1987 gegründet, fand kurz darauf mit dem Einstieg von Carsten Maschmeyer seinen eigentlichen Antreiber. Der gebürtige Bremer stieg mit 900.000 D-Mark in das junge Unternehmen ein und führte es zu immer neuen Erfolgen. An dem Tag im Jahr 2003, den Schabirosky in seinem Buch als ersten Kontakt mit Friedrich Bohl beschreibt, hatte der AWD schon sechstausend Mitarbeiter, eineinhalb Millionen Kunden und zwölf Milliarden Euro Vermittlungsumsatz im Jahr. Und auch der AWD hatte bereits vor dem Rufmörder das schlechte Image einer „Drückerkolonne“. Vor allem der wacklige Drei-Länder-Fonds war bei Verbraucherschützern bereits früher ins Visier der Kritik geraten.

Nun sind womöglich beide Finanzkonzerne Opfer des gleichen Mannes geworden. Es ist ohnehin eine Geschichte, in der Opfer und Täter nicht mehr so leicht auseinander zu halten sind. Das Handelsblatt präsentiert ab heute wichtige Passagen aus dem Buch.

Nachtrag:

Auf Handelsblatt-Nachfrage hat sich Heribert Prantl, Mitglied der „Süddeutsche Zeitung“-Chefredaktion, am Sonntag zu dem beschriebenen Vorfall geäußert: „Wir haben die Vorwürfe des Herrn Schabirosky intern geprüft. Ich kann nur sagen: Von unseren Inhalten muss nichts zurückgenommen werden. Es wird in den Texten der SZ aus internen Papieren zitiert, die wir von mehreren Informanten erhalten haben. Wir haben uns stets auf verschiedene Quellen gestützt. Zu einzelnen Informanten äußern wir uns grundsätzlich nicht. Unsere Texte, in denen alle Beteiligten, auch der AWD, zu Wort kamen, haben dazu beigetragen, das System AWD aufzudecken. Die Fakten, die wir aufgedeckt haben, stehen nicht in Frage.“

Der NDR bezieht auf seiner Homepage ausführlich Stellung zu dem Sachverhalt.

Seite 1:

Mission Rufmord

Seite 2:

„Meine Kampagne lief wie geschmiert“

Seite 3:

Überraschende Wende in jahrelanger Schlammschlacht

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