Einstieg bei der Deutschen Bank
Die Macht aus der Wüste

Der Einstieg bei der Deutschen Bank ist Teil einer größeren Strategie: Mit seinen Milliarden kauft sich das Wüstenemirat Katar politischen Einfluss. Die Scheichs gelten als anspruchsvoll, aber geduldig.
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DüsseldorfKatar ist eigentlich nur ein winziger Fleck Erde, kaum größer als Jamaika. Rund zwei Millionen Menschen wohnen in dem kleinen Emirat – 80 Prozent davon sind Gastarbeiter. Und trotzdem schickt sich der kleine Wüstenstaat an, zur wirtschaftlichen Großmacht aufzusteigen. Denn das Land mit dem größten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nutzt seine Öl- und Gasmilliarden, um sich weltweit Einfluss zu kaufen. Die neueste Beteiligung der Kataris: die Deutsche Bank.

Mit einem einstelligen Milliardenbetrag steigen die Scheichs bei Deutschlands größtem Geldinstitut ein. Zunächst übernehmen sie zu einem Stückpreis von 29,20 Euro Aktien im Gesamtwert von 1,75 Milliarden Euro. Im Juni wollen sie mit einer Bezugsrechtsemission weitere Aktien übernehmen und ihren Anteil damit auf geschätzte sechs Prozent erhöhen. Damit dürften die Scheichs den Finanzinvestor Blackrock als größten Aktionär der Deutschen Bank ablösen – und zu einem der mächtigsten Investoren in Deutschland aufsteigen.

Der offizielle Investor Paramount Services Holdings gehört einem Katari mit dem klangvollen Namen Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani, der lange der Regierung des Golf-Emirats angehörte und bis 2013 auch den staatlichen Investmentfonds Qatar Investment Authority (QIA) verwaltete – mit Investitionen von rund 170 Milliarden Dollar eines der wichtigsten Machtinstrumente der Scheichs.

Der Einstieg bei der Deutschen Bank hat daher auch einen politischen Hintergrund. Katar verfolgt bei seinen Investitionen eine doppelte Strategie: Zum einen wollen sie ihr Emirat zukunftssicher machen, wenn irgendwann das Öl ausgehen sollte. Zum anderen wollen sie ihren politischen Einfluss durch die Kooperation mit europäischen Unternehmen mehren. Die Sicherheit Katars soll eng mit der Sicherheit der deutschen Schlüsselindustrien verknüpft werden. Der kleine Wüstenstaat soll weltweit bekannt werden - nicht nur durch die WM 2022.

„VW, Porsche, Hochtief, Siemens, BASF, wir haben sehr viele Investitionen in Deutschland“, hatte bin Dschassim bin Dschaber al-Thani noch auf dem Wirtschafts- und Investmentforum in Berlin im Jahr 2013 erklärt. Er war es auch, der 2009 den Einstieg der Kataris beim Autobauer Volkswagen einfädelte. Über die staatliche Investmentgesellschaft hatte sich Katar nach der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche an der Porsche-Holding und an Volkswagen beteiligt. Aus der Porsche-Holding haben sich die Scheichs mittlerweile wieder zurückgezogen, am Autobauer VW halten sie immer noch 17 Prozent der Anteile und gehören damit zu den größten Aktionären des Herstellers neben dem Land Niedersachsen und der Porsche-Holding.

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Kommentare zu " Einstieg bei der Deutschen Bank: Die Macht aus der Wüste"

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  • Die Lobbyarbeit der Golfstaaten ist massiv, aber Kritik dazu findet man in deutschen Medien selten. Leider beschränkt sich die Einflussnahme der reichen Ölstaaten nicht nur auf unsere Wirtschaft und Finanzwelt. Sie übt politischen Druck auf die UNO und auf die weltweiten Medien aus. Auch fließen Milliarden in die Unterstützung religiöser Fundamentalisten. Dazu gehören z.B. die Salafisten die weltweit massiv für ihre intolerante Ideologie werben.

  • Nein. Die Deutschen haben einfach keine Lust auf Aktien. Risiko und o. Lieber wird in LEbensversicherungen und Prokon investiert.

  • Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young, sind alle 30 DAX-Unternehmen mehrheitlich in ausländischer Hand!!

    Wie die Unternehmensberater nachrechneten, waren im letzten Jahr 55% aller DAX-Aktien im Besitz ausländischer "Investoren".

    Wieso erfahren wir davon nichts in den Medien?

    Gehören die "deutschen" Medien vielleicht auch ausländischen "Investoren"?

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