Euro-Krise
DZ-Bank-Chef für EU-Finanzausgleich

Deutschland profitiert besonders vom Euro - und sollte deshalb zu einer Art Länderfinanzausgleich innerhalb Europas bereit sein, meint DZ-Bank-Chef Kirsch. Denn die EU stiftet weit mehr als nur wirtschaftlichen Nutzen.
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DüsseldorfDeutschland läuft nach Überzeugung von DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch Gefahr, sich mit der zunehmenden Euro-Skepsis von einem Pfeiler seiner politischen und wirtschaftlichen Ordnung zu verabschieden. In einem Gastkommentar für das Handelsblatt (Donnerstagsausgabe) schreibt er, gerade die Bundesrepublik hätte "von einer fortgesetzten Krise der Europäischen Union, die ihren Ursprung, aber nicht ihre Grenzen in der aktuellen Staatsschuldenkrise hat, den wohl größten Schaden." Das gemeinsame Europa und seine Gemeinschaftswährung hätten Deutschland wie keinem anderen Land in den zurückliegenden Jahrzehnten Nutzen gestiftet, und zwar weit über die ökonomische Dimension hinaus.

Kirsch hält fest, dass der Euro nicht nur dem währungspolitischen Flickenteppich in Europa ein Ende gemacht hat: "Der Euro hat Europa ein deutlich größeres Gewicht in der globalisierten Welt gegeben und sichert für Europa die internationale Wettbewerbsfähigkeit als Standort – gerade mit Blick auf die aufstrebenden Märkte in Asien und Lateinamerika." Für Deutschland gelte aber auch: "Unsere ursprüngliche Vorstellung von der Währungsunion – eine gemeinsame Währung, aber keine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik, sondern volle finanzpolitische Eigenverantwortung der Mitglieder – war von Anfang an ein Idealbild, das in der Gefahr stand, mit der Realität konfrontiert zu werden. Das ist jetzt passiert."

Der DZ-Bank-Chef schlägt als Lösung vor, "konsequent an einem Regelwerk für einen dauerhaften Transfer-Mechanismus zwischen den Ländern der Euro-Zone zu arbeiten – analog zum deutschen Länderfinanzausgleich. Ein solchermaßen dauerhaft angelegtes Regelwerk wäre ein essenzieller Beitrag zur Stabilisierung der Märkte. Es ist der fehlende Baustein in der Verfassung des Hauses Europa."  

Ein europäischer Finanzausgleich sollte Kirsch zufolge zwei wesentliche Elemente beinhalten: Zwischenstaatliche Transferleistungen, die in den jeweiligen Landesverfassungen mit der Einführung einer Schuldenbremse nach deutschem Vorbild verbunden werden, und Euro-Bonds, wie sie der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, vorgeschlagen hat. "Danach kann sich jedes Land bis zu einer Verschuldung von 60 Prozent seines BIP mit einer Garantie des restlichen Euro-Raums refinanzieren. Zusätzliche Schulden müssen ohne diese Garantie finanziert werden, Regelverstöße konsequent mit Sanktionen belegt werden."

Kommentare zu " Euro-Krise: DZ-Bank-Chef für EU-Finanzausgleich"

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  • Für das Portfolio der DZ-Bank ist das sicher ne tolle Sache, aber ne Schweinerei für uns Steuerzahler! Herr Kirsch sollte sich mit solchen Aussagen lieber zurückhalten.

  • Wenn Herr Kirsch mir wie in Griechenlaand dieselben Sozialleistungen anbietet (wo Firmen zwar riesige Umsätze, aber keinen Gewinn erwirtschaften) kann er ruhig Transfer anbieten, sofern noch Euro übrig bleiben! Solange wir hier Kürzungen bei Sozialleistungen hinnehmen müssen, zig Überstunden ohne Bezahlung leisten, Fahrgeld gestrichen wird, Essenmarken wegfallen, keinerlei Weiterbildung mehr finanziert wird, solange muss man naiv sein, noch für Deutschland zu arbeiten! Vorteile hatten sehr wohl die Vorstände, die Ihre Etagen wie Fürstentümer staffieren, das soll ja wohl so bleiben? Schade, dass den Herren nicht aufgeht, dass ein sozialer Friede durch Partizipieren an durch ARBEIT verdienten Lohn gewährleistet. Es sind ja immer dieselben, die Ihre Vorteile durch den EUR verteidigen. Wenn die Linken Zulauf bekommen wie früher die Grünen, wird es zu spät sein.

  • Herr Kirsch hat aus der Schieflage des deutschen Finanzausgleichs und der Sturheit der Nehmerländer bei einer notwendigen Reform nichts gelernt. Ein derartiges Ausgleichssystem ist ein bequemes Ruhekissen, bei dem es immer einen Dummen gibt, der die Zeche begleicht und der frustiert zuschauen muss, wie eigene Bemühungen für finanzwirtschaftlich verantwortungsvolles konterkariert werden.

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