Euro-Zone
EZB lenkt Blick auf Schuldenrisiken

Die EZB sieht in den Schulden mancher Euro-Staaten ein Risiko, das sich wieder vergrößert habe. Dennoch erhole sich der Wirtschaftsraum. Die Schuldentragfähigkeit einzelner Länder könnte aber leiden.
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FrankfurtDie EZB blickt mit mehr Sorge auf die Schuldenberge einzelner Euro-Länder. In den vergangenen sechs Monaten habe die Gefahr zugenommen, dass dieses Thema wieder verstärkt in den Fokus der Märkte rücken könnten, erklärte die Euro-Notenbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zur Finanzstabilität.

Zwar habe sich der Währungsraum wirtschaftlich weiter erholt. Andauernde politische Unsicherheiten könnten aber das Wachstum dämpfen und zu höheren Risikoprämien führen. „Das würde die Finanzierungskosten erhöhen und könnte Sorgen um die Schuldentragfähigkeit in einigen Ländern auslösen“, warnte die Europäische Zentralbank (EZB). Konkrete Staaten nannte sie nicht.

In ihrem Bericht betonen die Euro-Wächter insbesondere die Gefahr starker Kursbewegungen am Markt für Staatsanleihen, die weiterhin erheblich sei. Nach der Präsidentenwahl in Frankreich hätten dort die Rendite-Unterschiede aber wieder etwas abgenommen. Auch seien die derzeitigen Risiken nicht mit denen zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise vergleichbar.

Im Jahr 2012 waren die Risikoaufschläge der Anleihen Spaniens, Portugals und Italiens kräftig nach oben geschossen – zeitweise drohte sogar ein Auseinanderbrechen Euro-Zone. Aktuell macht Volkswirten vor allem Italien Sorge. Dessen hohe Staatsverschuldung von rund 133 Prozent der Wirtschaftsleistung wird im Währungsgebiet momentan nur noch von Griechenland übertroffen. An der Börse wirft zur Zeit die zehnjährige Bundesanleihe eine Rendite von 0,39 Prozent ab. Im Falle Spaniens liegt der Wert derzeit bei 1,57 Prozent, im Falle Italiens bei 2,1 Prozent.

Generell haben sich allerdings laut EZB in den vergangenen sechs Monaten die Stressfaktoren für das Finanzsystem der Euro-Zone nicht erhöht. Der Druck der Finanzmärkte auf die Banken im Währungsraum habe sogar abgenommen, die Börsenkurse der Geldhäuser seien deutlich gestiegen. Trotzdem bleiben nach Einschätzung der Währungshüter die Institute anfällig, da unter anderem das Niedrigzinsumfeld auf die Gewinne drücke.

In puncto Gewinne sei im vierten Quartal 2016 womöglich der Tiefpunkt erreicht worden, sagte EZB-Vize Vitor Constancio am Mittwoch in Frankfurt. Er erwarte, dass die Ertragskraft der Institute im laufenden Jahr zunehme. Der EZB-Vizepräsident äußerte sich auch zur Entwicklung der Immobilienmärkte im Währungsraum. Eine generelle Überhitzung sei hier zwar nicht abzusehen. Es gebe aber Bereiche, in denen die Preise nach oben schießen – insbesondere in großen Städten. Dies solle genau beobachtet werden. Die Bundesbank hatte unlängst vor dem Entstehen einer gefährlichen Immobilienblase in Deutschland gewarnt. In den Großstädten seien die Preise für Immobilien seit 2010 zum Teil um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Dagegen birgt nach Ansicht der EZB-Experten der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der EU keine große Gefahr für die Finanzstabilität. „Der Brexit-Prozess selbst stellt gegenwärtig keine der Hauptbefürchtungen für die Finanzstabilität der Euro-Zone dar“, konstatieren die Fachleute. Die EZB veröffentlicht einmal im Halbjahr einen Bericht, in dem sie das Finanzsystem im Währungsraum auf Schwachstellen und mögliche Gefahren hin abklopft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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