Euronext
Börse setzt sich selbst vom Handel aus

Verkehrte Welt in Holland: Die Amsterdamer Börse Euronext setzte im Streit mit der Regierung ihre eigenen Aktien vom Handel aus. Der Grund: Sie fühlt sich vom Staat unfair behandelt.

FrankfurtEs klingt wie ein Streich aus Schilda, doch der Schauplatz ist Amsterdam: Dort hat die niederländische Börse Euronext am Donnerstag ihre eigenen Aktien vom Handel ausgesetzt. Die Börse erklärte das mit einem anstehenden Gerichtsurteil in eigener Sache. Denn der Börsenbetreiber liegt mit dem niederländischen Finanzminister im Clinch. 

Euronext betreibt Handelsplätze in Amsterdam, Paris, Brüssel, London und Lissabon. Die niederländische Regierung hatte die Börse dazu verpflichtet, bis 2017 unter anderem 250 Millionen Euro Kapital vorzuhalten. Diese Auflage hatte der Staat dem Unternehmen beim Börsengang im vergangenen Jahr erteilt. Die Euronext zog dagegen vor Gericht. Sie will nicht wie eine Bank, sondern wie eine Börse behandelt werden – und fürchtet durch die Kapitalanforderungen Nachteile im Wettbewerb mit anderen Börsenbetreibern.

Mit ihrer Klage hatte die Börse Erfolg: Ein Gericht in Rotterdam gab am Donnerstag einem Euronext-Einspruch statt und erklärte die Vorgaben der Regierung für nichtig. Die Börse begrüßte das Urteil. „Euronext wird den Dialog mit dem Finanzministerium fortsetzen”, heißt es in einem Statement.

Der Handel mit der Euronext-Aktie war bis zur Bekanntgabe des Urteils ausgesetzt worden. Dabei handelt es sich um keinen ungewöhnlichen Vorgang: Zeichnen sich während der Handelszeiten kursrelevante Nachrichten ab, kann die Börse den Handel mit einer Aktie aussetzen, damit sich alle Anleger neu informieren können. Die Handelsaussetzung soll verhindern, dass einzelne Anleger einen Informationsvorsprung erlangen.

 

 

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