Europas größtes Geldhaus
HSBC spart sich zum Gewinnplus

Die Großbank HSBC steigert ihren Vorsteuergewinn um neun Prozent. Das Plus ist eine Folge der Einsparungen: Seit 2011 hat das Geldhaus 40.000 Arbeitsplätze gestrichen. Dennoch hatten Analysten mit mehr gerechnet.
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LondonDie britische Großbank HSBC hat vergangenes Jahr so viel verdient wie kaum ein anderes Geldhaus auf der Welt. Kosteneinsparungen trieben den Vorsteuergewinn um neun Prozent auf 22,6 Milliarden Dollar nach oben, wie Europas Branchenprimus am Montag mitteilte. Allerdings hatten Experten mit noch deutlich mehr gerechnet, weshalb der Aktienkurs an der Londoner Börse um knapp vier Prozent fiel. Trotz Fortschritten seien nicht alle Ziele erreicht worden, räumte Bankchef Stuart Gulliver ein. Das britische Institut, das stark in Asien vertreten ist, warnte vor größeren Marktschwankungen in Schwellenländern. Diese Staaten kämpfen derzeit gegen die Kapitalflucht vieler Anleger in Richtung USA, da in der weltgrößten Volkswirtschaft die Zinsen langsam wieder steigen.

Unter dem Strich verdiente HSBC im vergangenen Jahr 17,8 Milliarden Dollar. Nur die größte US-Bank JP Morgan kam auf minimal mehr – und zwar auf 17,9 Milliarden Dollar. Hierzulande sind die Institute von solchen Dimensionen weit entfernt: Bei der Deutschen Bank blieb 2013 nach vorläufigen Zahlen lediglich gut eine Milliarde Euro als Profit hängen.

HSBC geht davon aus, dass es 2014 wegen der jüngsten Probleme der Schwellenländer zu stärkeren Schwankungen an den Märkten kommen kann. Die langfristigen Perspektiven dieser Staaten seien aber weiter gut. Zuletzt waren etwa in Indien, Brasilien, Südafrika oder der Türkei die Kurse der heimischen Währungen abgestürzt, weil Anleger wegen der strafferen US-Geldpolitik ihr Geld dort abziehen und wieder in die Vereinigten Staaten umschichten. Mehrere Schwellenländer hatten sich mit teils kräftigen Zinserhöhungen gegen den Währungsverfall gestemmt, was aber wiederum das Wachstum abwürgt.

HSBC stemmt sich mit massiven Einsparungen gegen mögliche Einbußen im operativen Geschäft. Die Bank betonte, seit 2011 auf Jahresbasis knapp fünf Milliarden Dollar eingespart zu haben. Das geht vor allem auf den Abbau von 40.000 Jobs zurück. Zudem wurden 60 Geschäftsbereiche verkauft oder geschlossen.

Der Bonuspool für 2013 wurde um sechs Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar ausgeweitet. Allein 239 Mitarbeiter hätten eine Sonderzahlung von einer Million Pfund (1,7 Millionen Dollar) oder mehr bekommen. Bankchef Gulliver erhielt inklusive Sondervergütung acht Millionen Dollar. Einige Konkurrenten wie die britische Bank Barclays hatten zuletzt trotz schwacher Ergebnisse höhere Sondervergütungen ausgeschüttet. Das stößt immer wieder auf Kritik in der Politik, weil falsche finanzielle Anreize als ein Auslöser der weltweiten Finanzkrise gelten. Da die EU die Boni künftig beschränkt, will HSBC die Grundgehälter einiger Top-Banker erhöhen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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