EZB-Gelder
Die unangenehme Abhängigkeit der Banken

Europas Banken werden noch lange von den Geldspritzen der EZB abhängig sein. Im Markt wird allerdings spekuliert, dass einige Institute die Geldspritzen der EZB früher zurückzahlen wollen. Die Experten sind skeptisch.
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Frankfurt/MailandDie europäischen Banken werden auch in den kommenden Jahren noch auf die großzügige Bereitstellung von Krediten der Europäischen Zentralbank (EZB) angewiesen sein. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Umfrage unter rund 850 institutionellen Investoren auf einer Konferenz der US-Bank Morgan Stanley, die gestern veröffentlicht wurde.

Eine knappe Mehrheit der Investoren glaubt, dass Griechenland in drei Jahren nicht mehr der Euro-Zone angehört. 72 Prozent rechnen für den gleichen Zeitraum mit einer Umschuldung Portugals. Daher halten 62 Prozent der Experten im Sommer 2015 - nach dem Auslaufen des jüngsten Dreijahreskredits der EZB - neue Finanzierungshilfen seitens der EZB im Umfang zwischen 500 Milliarden und 1,5 Billionen für nötig.

Das wäre eine ähnliche Größenordnung, wie die EZB den Banken im Rahmen ihrer Dreijahrestender im Dezember und Februar zur Verfügung gestellt hatte. Diese hatten zusammen ein Volumen von gut einer Billion Euro. LTRO ("Long-Term-Refinancing-Operation") heißt diese einzigartige Geldschwemme - EZB-Chef Mario Draghi selbst sprach von großkalibrigen Schüssen mit der "Dicken Bertha", einem Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg. Ein Bericht, demzufolge eine Reihe von Großbanken die EZB-Mittel bereits in den kommenden zwölf Monaten zumindest teilweise wieder zurückzahlen wolle, wurde in Finanzkreisen mit Skepsis aufgenommen.

Die britische "Financial Times" hatte dabei die Großbanken Unicredit, BNP Paribas, Société Générale sowie La Caixa genannt. Ein Grund für die vorzeitige Rückzahlung wäre der Bedarf an langfristigen Refinanzierungen, die über den Zeitraum von drei Jahren hinausgehen, zitierte das Blatt einen Bankmanager. In Finanzkreisen hieß es dazu, man sei eher skeptisch, ob man bereits jetzt Aussagen zur frühzeitigen Rückzahlung treffen könne. "Es ist schon komisch, dass die Banken das jetzt entschieden haben sollen, es ist ja noch eine Weile hin bis zum ersten möglichen Rückzahlungstermin", urteilte Jens Kramer, Volkswirt bei der NordLB.

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  • Kann mich noch gut daran erinnern das ich meinen LEHRLINGSLOHN noch in der TÜTE in BAR bekam . Das war so 1975 etwa . Damals fing es gerade an das geld NUR noch über Konten bei Banken gezahlt werden sollten .
    DA FING ES AN DAS WIR VON DEN BANKEN ABHÄNGIG GEMACHT WURDEN . HEUT GEHT OHNE BANK NICHTS MEHR !!!
    Wer da wohl was von hat ??? ICH JEDENFALLS NICHT .
    Klaus

  • Wer will bestreiten, dass das billige Geld der EZB nicht wie eine Droge wirkt?

    Wir brauchen nur die Marge von ca. 3 % auf 1 Billion Euro auszurechnen und wir haben das Geschenk an die Banken in "Heller und Pfennig" vor uns. Ein Betrag, der außerhalb jedweder parlamentarischen Kontrolle verausgabt wurde und für den Deutschland zu 27 % haftet.

    Wir brauchen Abgeordnete, die das neue Europa gestalten können. Das hier ist, in Gabriels Worten, eine Praktikantentruppe, eine zu teure Praktikantentruppe. Da muss sich was ändern!

  • "Der Lobbyismus der Geldhäuser hat die Währungsunion noch tiefer in die Krise geführt. Die Politik muss endlich aufhören, auf die Banker zu hören."
    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:top-oekonomen-europa-im-wuergegriff-der-banken/70016009.html

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