EZB-Stresstest
Nur kein Stress

Seit 12 Uhr wissen Europas Banken, ob sie den Stresstest bestanden haben. Wackelkandidaten gibt es vor allem in Südeuropa. Doch die Stresstest-Ergebnisse dürften deutlich glimpflicher ausgefallen sein als befürchtet.
  • 7

FrankfurtAls bei den europäischen Banken am heutigen Donnerstag die Ergebnisse des EZB-Stresstests ins Haus gemailt wurden, dürften die deutschen Banken aufgeatmet haben. Selbst die Wackelkandidaten aus Deutschland sind bei der Prüfung durch die EZB nach Handelsblatt-Informationen glimpflich davon gekommen: Insbesondere die HSH Nordbank, die bisher als besonders gefährdet galt, hat den Test wohl bestanden, heißt es aus Finanzkreisen. Auch bei anderen deutschen Geldhäusern wie der Commerzbank und der Deutschen Bank dürften keine größeren Kapitallücken zum Vorschein gekommen sein.

Im Süden Europas sind die Sorgen kurz vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse am Sonntag dagegen groß: Am Mittwoch sorgte ein spanischer Medienbericht für Aufruhr. Demzufolge haben mindestens elf Geldhäuser aus sechs Ländern den Test nicht bestanden. Anleger reagierten nervös, der Euro rutschte zeitweise unter die Marke von 1,27 Dollar. Das zeigt, wie groß die Anspannung ist.

Dabei könnten die Märkte eigentlich relativ gelassen bleiben. Tatsächlich dürfte der Stresstest nach Informationen des Handelsblatts „keine negativen Überraschungen“ bergen. „Den schwarzen Montag, vor dem sich so viele Finanzmarktteilnehmer gefürchtet hatten, wird es nicht geben“, heißt es aus Finanzkreisen. Selbst wenn die Schätzungen zutreffen, nach denen die durchgefallenen Institute einen Kapitalbedarf von 50 Milliarden Euro haben, wäre das nicht dramatisch. Das Kapital könnten sie leicht am Markt aufnehmen.

Insgesamt durchleuchtet die Europäische Zentralbank (EZB) bei der größten Banken-Prüfung aller Zeiten 130 Institute in Europa. Sie will damit sicherstellen, dass die Geldhäuser besenrein und für Krisen gewappnet sind, wenn sie im November die Aufsicht über die wichtigsten Finanzinstitute der Euro-Zone übernimmt. Die HSH, die zusammen mit 23 anderen deutschen Banken an dem Test teilnimmt, galt aus Sicht von Experten als besonders gefährdet. Die Bank, die mehrheitlich den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, hat Milliarden an die Schifffahrtsbranche verliehen, die seit Jahren in einer schweren Krise steckt. Das machte dem Institut auch bei der Prüfung zu schaffen, da die EZB die deutschen Geldhäuser zu einer strengeren Bewertung ihrer Schiffskredite zwang.

Profitiert hat die HSH jedoch von ihrer vergleichsweise guten Kapitalausstattung, zu der eine staatliche Garantie für riskante Kreditportfolios maßgeblich beiträgt. Nach den Gesprächen mit den Aufsichtsbehörden deute alles darauf hin, dass die HSH durch den Test gekommen sei, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen zu Reuters. Die Landesbank sei im Stresstest zwar kräftig durchgeschüttelt worden, die harte Kernkapitalquote des Instituts liege aber wohl auch im simulierten Krisenfall über der Mindesthürde der Aufsichtsbehörden von 5,5 Prozent, fügte einer der Insider hinzu. Investoren, die in HSH-Anleihen investiert haben, zeigten sich erleichtert. Auch die Landesregierung von Schleswig-Holstein, die das Geldhaus als das größte Haushaltsrisiko des Bundeslandes bezeichnet hat, kann durchatmen.

Die HSH hat in den vergangenen Wochen in Gesprächen mit den Aufsichtsbehörden erste Hinweise zu ihrem Abschneiden bei dem Gesundheitscheck erhalten. Die vorläufigen Endergebnisse bekommt sie - wie alle anderen teilnehmenden Banken - jedoch erst am Donnerstag. Veröffentlicht werden die von der EZB abgesegneten Resultate am Sonntag. Bis dahin seien alle Schlussfolgerungen über das Abschneiden von Instituten hoch spekulativ, erklärte die EZB. Die HSH sagte nichts zu dem Thema und verwies auf die Kommunikation der Ergebnisse durch die EZB am Sonntag.

Kommentare zu " EZB-Stresstest: Nur kein Stress"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich denke, dass das Wort "verlängern" wohl das passende Wort ist.

    Die USA arbeiten schon seit 30 Jahren mehr oder weniger erfolgreich nach diesem System.

    Das wird sich erst ändern, wenn statt verantwortungslosen Managern, Manager mit Verantwortung die Macht und Politik übernehmen.

    Sind wir doch ehrlich. Ginge ein Privatbankier pleite, wäre er Pleite. Gehen andere Banken in die Pleite ziehen die Manager wegen ihrer Ansprüche auf Boni vor Gericht und erhalten diese von dort zugesprochen - zugesprochen von verantwortungslosen Beamten.

    So ist es doch!

  • Die Zukunft wird zeigen,ob der Test hart genug war .

  • Nur keinen Stress? seit 2007 bis heute wurden Banken mit 5 Billionen gerettet, 1,3 Billionen EK fehlte, und nun nur noch 50 Mrd? was für eine wunderbare Selbstheilung, gell?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%