Falschberatung
Lloyds muss Milliardensumme zahlen

Ein Rechtsstreit belastet Lloyds. Wegen Falschberatung muss die Großbank einen hohen Milliardenbetrag an Kunden erstatten. Fortschritte gibt es dagegen beim Sparprogramm, die Aktie legt kräftig zu.
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LondonRechtsstreitigkeiten kosten die britische Großbank Lloyds Milliarden. Allein die Entschädigungen für den Verkauf von Kreditausfallversicherungen an Kunden, die diese gar nicht benötigten, summieren sich mittlerweile auf 5,3 Milliarden Pfund (6,6 Milliarden Euro), wie das Geldhaus am Donnerstag mitteilte. Auch andere britische Institute mussten dafür bereits tief in die Tasche greifen, Lloyds ist aber am stärksten betroffen. Es geht dabei um Falschberatung von Kreditkunden. Hinzu kommen mehr als 325 Millionen Pfund an Rückstellungen für einen Streit in Deutschland: Hier hatte der Bundesgerichtshof Käufern von britischen Lebensversicherungen Schadenersatz zugesprochen, für die Vermittler mit unrealistischen Rendite-Erwartungen geworben hatten. Die Verkäufer arbeiteten für die Lloyds-Tochter Clerical Medical.

Allein im dritten Quartal fielen für den Disput in Deutschland 150 Millionen Pfund und für die Entschädigungen in Großbritannien eine Milliarde Pfund an. Die Folge: Die größte Privatkundenbank der Insel schrieb vor Steuern einen Verlust von 144 Millionen Pfund nach einem Fehlbetrag von rund 600 Millionen Pfund ein Jahr zuvor. Ohne Sonderposten verdiente das Institut, das seit einer Rettungsaktion 2008 zu 40 Prozent dem Staat gehört, mit 840 Millionen Pfund allerdings mehr als erwartet. Lloyds-Aktien zogen daher um mehr als sechs Prozent an.

Die Rechtsstretitigkeiten überlagern die operativen Fortschritte, die die Bank unter Führung von Antonio Horta-Osorio macht. So kommt das Kostensenkungsprogramm schneller voran als geplant. Die Bank hat bereits Tausende Stellen gestrichen. Lloyds ist auch optimistisch, dass das Volumen fauler Kredite in diesem Jahr stärker sinkt als bislang vorausgesagt. Das Management rechnet nun mit einem Rückgang auf sechs Milliarden Pfund - zuvor war es von 1,2 Milliarden Pfund mehr ausgegangen. "Die zusätzlichen Rückstellungen sind enttäuschend und die Risken bleiben hoch, aber im Kerngeschäft macht das Unternehmen hervorragende Fortschritte", bilanzierte Analyst Gary Greenwood vom Brokerhaus Shore Capital.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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