Finanzexperte einmal anders – André M. Bajorat
„Fahrradfahren schweißt zusammen“

Der Chef des Finanzdienstleisters Figo spricht im Interview über das Netzwerken mit Kollegen auf Radtouren, die Probleme der Finanz-Start-ups mit Banken – und die meditativen Geräusche einer Fahrradkette.
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HamburgDass André M. Bajorat einer der bekanntesten Fintech-Experten in Deutschland wurde, bezeichnet er selbst als „absoluten Zufall“. Ein „Techi“ sei er nie gewesen: „Ich bin lieber Radgefahren, habe Fußball gespielt und fand Mädchen spannender als Computer.“ Erst im Jura-Studium kaufte er sich einen „386er“, schrieb damit seine Hausarbeiten und nutzte auch schon das Online-Banking der Stadtsparkasse Köln. Genug Expertise, um nach Abbruch des Studiums mit 25 Jahren im technischen Call-Center der damaligen Sparkassen-Tochter SK Online anzuheuern. Heute ist er 45, Geschäftsführer des Finanz-Technologie-Start-ups Figo in Hamburg, geschätzter Redner und Mentor. Bajorat brennt für das Thema Banking, aber noch lieber fährt er mit seinem Rennrad durch die Natur.

Herr Bajorat, Sie sind kürzlich mit dem Rennrad von Prag nach Berlin gefahren. Was hat Sie angetrieben?
Radfahren macht mir einfach großen Spaß, ich genieße die Zeit in der Natur, man sieht viel, nimmt die Gerüche wahr und das Geräusch von Kette und von Schaltung hat fast schon etwas Meditatives. Zusätzlichen Antrieb hatte ich, weil das eine Spendenaktion der Techbikers war. Mit knapp 40 Startup- und Internet-Unternehmern sind wir in drei Tagen fast 400 Kilometer gefahren und haben dabei über unsere sozialen Netzwerke Spenden gesammelt. Insgesamt sind rund 45.000 Euro zusammengekommen. Damit werden Menschen in afrikanischen Dörfern mit Fahrrädern ausgestattet.

Wie trainieren Sie für solche Touren?
Fahrradfahren gehört für mich zum Alltag. Das fängt meist schon bei den 20 Kilometern ins Büro an. Auch, wenn ich mit meiner Familie wegfahre, setze ich mich oft ein paar Stunden früher aufs Rad und fahre schon mal vor. Meine Frau kommt dann mit unseren beiden Kindern im Auto nach. Zwischendurch mache ich immer wieder große Touren, im April bin ich bei Mallorca 312 mitgefahren und im Mai ein Rennen rund um die Mecklenburgische Seenplatte.

Fahren Sie lieber allein oder in Gesellschaft?
Ich mag beides. Wenn man in großen Gruppen fährt, ist das eine wunderbare Gelegenheit, um sich mit Leuten auszutauschen – so wie jetzt bei den Techbikers. In der Regel fährt man mit einer Geschwindigkeit, bei der man sich noch gut unterhalten kann.

Werden dabei auch Geschäfte geschlossen, so wie auf dem Golfplatz?
Ich glaube nicht, dass es die Teilnehmer explizit darauf anlegen. Aber solche Touren schweißen zusammen, man ist offener und baut Beziehungen zueinander auf. Gut möglich, dass daraus auch Geschäftsbeziehungen entstehen.

Wollen Sie auch mal Fintechs und Banken zu einem gemeinsamen Rennen einladen? Momentan scheint es zwischen denen ja zu kriseln.
Das würde ich dann aber nicht als Rennen, sondern tatsächlich als Netzwerkevent bezeichnen, Wettbewerb gibt es genug.

Banken und Fintechs streiten derzeit über die Umsetzung der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Konkret geht es darum, auf welche Art Dritt anbieter auf Konten zugreifen können. Die Banken versuchen ihre Pfründen zu schützen, Fintechs wollen möglichst viel für sich herausholen. Wie bewerten Sie das?
Mich nerven die harten Positionen – sowohl bei einigen Bankenvertretern als auch bei Fintechs. Das ist dogmatisch und für niemanden hilfreich. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass sich alle wieder auf die Grundidee besinnen sollten: In der PSD2 geht es darum, elektronische Zahlungen sicherer und zugleich bequemer für den Kunden zu machen und diesem zudem die Hoheit über seine Daten zu geben.

Warum sind die Fronten gerade jetzt so verhärtet?
Es gab von Anfang an gegensätzliche Positionen, aber nun geht es um die Details, und alle Seiten kämpfen um die letzten Nuancen für die Umsetzung.

Als Chef von Figo müssen Sie für die Variante der Daten-Schnittstellen sprechen, oder?
Auch unabhängig von Figo bin ich der Meinung, dass alle Beteiligten glücklich wären, wenn die Banken vernünftige und performante Schnittstellen hätten. Das Problem ist nur, dass manche Banken keine leistungsstarke, also immer verfügbare und ausreichend schnelle, Schnittstelle hinbekommen werden und dafür nicht mal per Gesetz bestraft werden. Für solche Fälle braucht es im Sinne der Nutzer eine Alternativlösung. Außerdem wäre es sinnvoll, die Regeln zum Datenabruf eher allgemein zu halten. Im Zweifel sollte dann die Finanzaufsicht Bafin einzelne Angebote prüfen.

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