Finanzskandal in Malaysia
Deutscher Starbanker im Visier von US-Behörden

Tim Leissners Leben pendelte zwischen Milliardendeals in Asien und der High-Society Kaliforniens. Nun interessieren sich US-Ermittler für den ehemaligen Partner von Goldman Sachs.

BangkokEs ist ein Foto aus besseren Zeiten im Leben des Starbankers Tim Leissner: Für die Kamera posiert er an einem kalifornischen Spätsommertag vor zweieinhalb Jahren in bester Gesellschaft. Neben ihm stehen ein amerikanisches Model, Malaysias Ministerpräsident und der Chef eines Staatsfonds. Prominenz, Macht und Geld – dieses Trio prägte die illustre Karriere des Investmentbankers, der sich in Asien mit lukrativen Geschäften zu einem der wichtigsten Mitarbeiter bei Goldman Sachs hochgearbeitet hatte.

Doch das sorgenfreie Leben des deutschen Finanzprofis, der zwischen Milliardendeals in Kuala Lumpur und der High-Society von Los Angeles hin und her pendelte, scheint vorerst gestoppt.

Amerikanische Ermittler interessieren sich für die Geschäfte des Bankers. Sie haben eine sogenannte Subpoena, eine gerichtliche Auskunftsanordnung, an Leissner geschickt, wie mehrere US-Medien am Dienstag übereinstimmend berichteten. Die Nachricht überrascht nicht. Denn Leissner hatte sich in den vergangenen Monaten nicht nur einen Platz in Amerikas Klatschspalten gesichert. Er spielt auch eine wichtige Rolle im Drama rund um den unter Untreueverdacht stehenden malaysischen Staatsfonds 1MDB.

Der Fonds steht im Fokus von Ermittlungsbehörden rund um den Globus und löste in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur eine Regierungskrise aus. Die Schweizer Staatsanwaltschaft geht nach Angaben von Ende Januar davon aus, dass aus dem hochverschuldeten Fonds vier Milliarden US-Dollar veruntreut wurden. Zuvor waren mysteriöse Zahlungen im Umfang von hunderten Millionen Dollar bekannt geworden. Sie gingen auf das Konto des Mannes, neben dem sich Leissner in Kalifornien fotografieren ließ: Malaysias Regierungschef Najib Razak.

Das „Wall Street Journal“ berichtete vergangene Woche unter Berufung auf internationale Ermittler, dass über eine Milliarde Dollar auf Najibs Konto gelangten. Ein Großteil des Geldes soll dem Bericht zufolge bei 1MDB seinen Ursprung haben. Die Regierung bestreitet die Vorwürfe.

Unter Leissner als Südostasien-Chef verdiente Goldman Sachs gut an dem inzwischen umstrittenen Fonds: Die Bank verantwortete die Ausgabe von Anleihen mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Dollar. Mit dem Geschäft, bei dem Goldman selbst finanzielles Risiko einging, nahm das Investmenthaus mehr als 590 Millionen Dollar ein. Oppositionelle in Malaysia kritisierten den Betrag als ungewöhnlich hoch. Goldman Sachs sieht keine Anzeichen für Fehlverhalten.

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Klatschpresse stürzt sich auf Leissner

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