Flick-Stiftung und Vorstände der Hypo Alpe Adria
Anklage wegen Bilanzfälschung

Am Montag beginnt ein neuer Strafprozess um die Kärntner Skandalbank. Das Geldinstitut steht mit dem Rücken zur Wand und braucht dringend eine milliardenschwere Kapitalspritze zum Überleben.
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KlagenfurtDie juristische Aufarbeitung der Skandalbank Hypo Alpe Adria sorgt beim ehemaligen Bankchef Tilo Berlin für einen vollen Terminkalender. Am Montag wird der 54-Jährige im österreichischen Klagenfurt zusammen mit den früheren Vorständen Wolfgang Kulterer, Josef Kircher, Siegfried Grigg und Tilo Berlin sowie gegen die Flick-Stiftung wegen des Verdachts auf Untreue vor Gericht stehen.

Erst in der vergangenen Woche hat sich der heutige Vermögensverwalter und Bio-Bauer vor dem Handelsgericht Wien präsentiert. Der Wahl-Kärntner, der sich in seinem akkuraten Nadelstreifenanzug, den blitzblanken Mokassins und eleganten Manschettenknöpfen zuletzt wie ein Klischeebild eines Bankers inszenierte, war bei dem Verfahren der Bayerischen Landesbank gegen die Mitarbeiterprivatstiftung der Hypo (MAPS) nur als Zeuge geladen. Tilo Berlin war Vorstandschef der HGAA vom 1. Juni 2007 bis Ende April 2009.

Doch in Klagenfurt handelt es sich um ein Strafverfahren. Dabei hat Berlin noch Glück. Denn Wolfgang Kulterer, Josef Kircher, Siegfried Grigg und Tilo Berlin sind auch noch wegen Bilanzfälschung in den Jahren 2006 und 2007 angeklagt. Hinter der Flickstiftung steht Ingrid Flick, Witwe des Industriellen Friedrich Karl Flick. Der Stiftung wird vorgeworfen, sich um mindestens rund eine Million Euro bereichert zu haben.

In dem Verfahren vor dem Landesgericht Klagenfurt geht es um ein Geschäft mit Vorzugsaktien der HGAA von etwa 100 Millionen Euro, für die Nebenabreden vereinbart wurden, nämlich eine Rücknahmegarantie der Aktien. Für die Käufer der Vorzugsaktien war der Einstieg in die HGAA somit ohne Risiko. Für die HGAA bedeutete das Geschäft, sie bildete kein Eigenkapital. Doch in der Bilanz wurden die Vorzugsaktien dem Eigenkapital zugeordnet.

Für das Verfahren, das vom Richter Christian Liebhauser-Karl geführt wird, sind insgesamt erst einmal bis Mitte Januar zwölf Verhandlungstage geplant. Im Mittelpunkt steht der frühere HGAA-Chef Wolfgang Kulturer. Er war damals Mitglied im Vorstand der Flick-Stiftung und gleichzeitig Aufsichtsratschef der HGAA. Die Flick-Stiftung bestreitet die Vorwürfe und betrachtet die Konditionen für die Vorzugsaktien als marktüblich. Es gab bereits ein ähnliches Verfahren um Vorzugsaktien im Jahr 2004. Damals wurden der frühere HGAA-Vorstandschef Kulterer  zu dreieinhalb Jahren und sein Vize Günter Striedinger im Mai 2012 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Klagenfurter Gericht sah es als erwiesen an, dass sie im Jahr 2004 mit Hilfe einer zweifelhaften Finanzkonstruktion das Eigenkapital der österreichischen Bank künstlich aufgebläht und der späteren BayernLB-Tochter damit einen Millionenschaden zugefügt haben.

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