Franken-Kredite
Kroatien setzt Hypo-Käufer zu

Die kroatische Regierung will Frankenkredite zwangskonvertieren. Das belastet den Finanzinvestor Advent, den Käufer der Balkantöchter von Hypo Alpe Adria. Advent will einen niedrigeren Kaufpreis von der Bad Bank Heta.

WienDer Finanzinvestor Advent wird zusammen mit der Osteuropabank EBRD mit dem Kauf der Balkan-Töchter der österreichischen Hypo Alpe Adria nicht glücklich. Da die kroatische Regierung unter dem sozialdemokratischen Premier Zoran Milanovic eine Zwangskonvertierung der einst so beliebten Kredite in Schweizer Franken beschlossen hat, kommen Akteure wie die Hypo Alpe Adria in dem EU-Land hohe Sonderbelastungen zu.

Der Gesetzesvorschlag der Zagreber Regierung sieht vor, die Franken-Kredite in Euro zu einem Kurs umzutauschen, als das Fremdwährungsdarlehen aufgenommen wurde. Angesichts des Erstarken des Frankens ist dieser Umtausch für die Kreditgeber äußerst nachteilig. Die kroatische Landeswährung Kuna ist an den Euro fest gekoppelt.

Wie hoch der Schaden sein könnte, ist noch nicht klar. „Die Art und Höhe der Ansprüche von Advent wurden uns gegenüber bislang nicht beziffert“, sagte ein Heta-Sprecher am Dienstag in Wien.

Im Fall der Hypo Alpe Adria sollen die Kosten nach Angaben von Insidern zwischen 200 und 300 Millionen Euro liegen. Der Finanzinvestor Advent informierte in einem Brief den Verkäufer Heta von der ungünstigen Entwicklung der Zwangsumwandlung der Franken-Kredite in Südosteuropa. Ziel ist es, den Kaufpreis zu senken. „Wir sprechen über den Mechanismus des Kaufvertrages, der nun zum Tragen kommt”, sagte ein Advent-Sprecher am Mittwoch. Eine andere Advent-Sprecherin betonte jedoch, die Zwangskonvertierung sei nicht kaufpreisrelevant. Der Preis hänge von den Zielwerten des Geschäftsjahrs 2015 ab.

Neben Kroatien strebt auch das kleine Adrialand Montenegro eine Zwangsumwandlung der Franken-Kredite an. Die Regierung in Podgorica hat ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht. Der Vorschlag ist in dem Balkan-Land umstritten.

Der Verkauf des Südosteuropa-Banken der verstaatlichten Hypo Alpe Adria wurde bereits Mitte Juli abgewickelt. Der Verkaufspreis, den die Bad Bank Heta mit Advent und der EBRD vereinbart hat, liegt nach Auskunft eines Sprechers im Korridor von 50 bis 200 Millionen Euro – abhängig vom Jahresergebnis der Heta im vergangenen und laufenden Jahr. Der Verlust der Heta in den ersten sechs Monaten belief sich auf 1,1 Milliarden Euro nach Steuern. Der endgültige Preis wird für die Südosteuropa-Töchter wird voraussichtlich im Frühjahr 2016 vorgelegt werden. Dann wird auch das Geld von Advent und seinem Juniorpartner EBRD fällig.

Kroatien wählt am 8. November eine neues Parlament. Mit der Zwangskonvertierung will der angeschlagene Premier Zoran Milanovic bei den Wähler punkten. Dagegen wehren sich eine ganze Reihe von Banken, darunter auch die in Osteuropa stark engagierte Raiffeisen und die Erste.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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