Frauen bei Banken
Sturm auf die Männerbastion

Bisher haben es Bankerinnen selten in den Vorstand geschafft. Die Debatte um die Frauenquote bringt nun Unruhe in die Führungsetagen. Qualifizierte Frauen sind händeringend gesucht. Der Gesetzgeber fordert Zielquoten.
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FrankfurtKohle oder Quote? Es war eine knifflige Entscheidung, die eine große deutsche Bank kürzlich treffen musste: Ein Vorstandsposten war neu zu besetzen. Gerne hätte man eine Frau berufen. Ein Headhunter präsentierte nach intensiver Suche zwei chancenreiche Kandidatinnen. „Deren Gehaltsvorstellungen lagen aber jenseits des Möglichen“, berichtet einer, der dabei war. Die Wahl fiel dann doch auf einen Mann.

Kein Einzelfall. Die Förderbank KfW sucht bereits seit Monaten eine Risikochefin. „In den Nachfolgeplänen der Banken ist mittlerweile oft dieselbe Frau für zehn verschiedene Positionen vorgesehen, einfach weil der Mangel an weiblichem Nachwuchs immer noch so groß ist“, sagt Reto Jauch, Gründer der auf Rekrutierung von Topmanagern spezialisierten Boutique Jauch Associates.

Nun rächt sich, dass jahrzehntelang vor allem Männernetzwerke über den Aufstieg in Schlüsselpositionen der Finanzbranche entschieden. Die ehrgeizigen Frauen fehlen just in dem Moment, wo die Banken sie dringend benötigen: Denn der Druck auf sie steigt – gesellschaftlich wie gesetzlich.

Die Regierung hat die Unternehmen dazu verpflichtet, sich eine Zielquote für Frauen im Vorstand und den beiden Führungsebenen darunter zu geben. Bis zum 30. September müssen die Banken ihre Ziele für 2017 bestimmen. Doch obwohl die Zeit drängt, traut sich bisher kaum ein Institut, konkrete Zahlen zu nennen.

Die ING-Diba ist eine der wenigen Banken, die ihre Hausaufgaben schon gemacht haben. Die Onlinebank will den Frauenanteil im oberen Management von 17 Prozent bis 2017 auf 22 Prozent anheben. Drei Jahre später soll er dann bei 30 Prozent liegen. Die Zielquote für den Vorstand belässt die ING-Diba mit einem Fünftel auf dem Status quo.
Der Ausgangspunkt der DZ Bank ist niedriger. Das Ziel für den Vorstand, bislang fest in männlicher Hand, bleibt auch auf null. Dafür soll bis 2017 erstmals eine Frau in die Riege der 22 Bereichsleiter aufsteigen. Eine grobe Indikation gibt die Hypo-Vereinsbank: Sie will den Anteil der Frauen bei „Fach- und Führungspositionen“, der aktuell bei 26 Prozent liegt, auf 30 Prozent erhöhen.
Diese Pläne wirken unambitioniert, sind aber forscher als die Ziele der Commerzbank: Dort sind zwar schon heute 15,8 Prozent der Bereichsvorstände weiblich, die Bank legte als Ziel dennoch nur 8,6 Prozent fest. Das war der Stand 2014 und damit die erlaubte Untergrenze.

Diese Beispiele zeigen: Der Nachholbedarf in der männlich dominierten Bankenbranche bleibt trotz des gesetzlichen Drucks riesig.

Der Frauenteil in den Vorstandsetagen der 100 wichtigsten Sparkassen und Banken in Deutschland hat sich laut DIW von 2008 bis 2014 gerade einmal von 1,9 auf 6,7 Prozent erhöht. Nur drei Banken – HSBC Trinkaus, die Frankfurter Volksbank und die Sparkasse Krefeld – haben eine Chefin. Bei fünf Banken, darunter die börsennotierte Aareal Bank, steht eine Frau an der Spitze des Aufsichtsrats.

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