Fünf Jahre Lehman-Pleite (Teil 3)
Wie Banken das Vertrauen in Staaten erschütterten

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers riss ganze Staaten in die Krise. Anleger, die an deren Verlässlichkeit geglaubt hatten, verloren Riesensummen. Und die Fehlentwicklungen sind längst nicht korrigiert.
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DüsseldorfHasso Müller-Kittnau suchte eigentlich eine attraktiv verzinste, aber auch sichere Kapitalanlage Er wollte Geld fürs Alter zurückzulegen. Doch am Ende verlor der Saarländer rund 53.000 Euro – er hatte in griechische Staatsanleihen investiert. Wie viele deutsche Privatanleger glaubte Müller-Kittnau dem Versprechen, das Europas Politiker mit dem Aufspannen des milliardenschweren Rettungsschirms für Griechenland gegeben hatten: Das Land darf nicht pleitegehen. Doch Anfang 2012 war das Versprechen gebrochen. Athen schuldete um, tausende Privatanleger blieben auf ihren Verlusten sitzen.

„Die Aussage klang plausibel, dass Griechenland-Anleihen bis zum Auslaufen des EU-Rettungsschirms im Mai 2013 sicher sind“, sagt Müller-Knittau. So kaufte er einen Bond mit Fälligkeit vor Ende des Hilfspakets. „Doch da habe ich mich getäuscht.“ Der Saarländer organisiert Konzerte und Kulturevents. Große Namen wie José Carreras, Udo Jürgens, Patricia Kaas sowie Montserrat Caballé oder auch den Moskauer Staatszirkus brachte er auf die Bühne.

Doch als Selbstständiger kann er von der Rentenkasse nichts erwarten. Kaum mehr als 400 Euro im Monat kommen raus. So entschloss sich der Manager, das Geld aus dem Verkauf seiner alten Firma möglichst ertragreich zu investieren. Ein Zinssatz von 5,25 Prozent erschien angesichts der mageren Renditen bei Staatsanleihen nach der Finanzkrise als äußerst attraktiv. „Damals notierten Griechenland-Anleihen bei einem Kurs von rund 93 Prozent. Das war kein hochspekulatives Niveau“, erinnert sich der Kulturmanager. Doch später musste er sich eines Besseren belehren lassen.

Die Ursache für das Leid des Saarländer Griechenland-Geschädigten geht auf den 15. September 2008 zurück. Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers trat eine Lawine los, die weltweit Banken, Unternehmen und Privatmenschen in den Ruin trieb, Staaten in den finanziellen Abgrund riss und die Fundamente der Europäischen Währungsunion erschütterte. Wie konnte es soweit kommen? Trotz der unterschiedlichen Fälle ähneln sich die tiefergehenden Fehlentwicklungen – die noch längst nicht überall korrigiert sind.

Als erster Staat bekam Island im Oktober 2008 mit voller Wucht die Folgen eines ausufernden Bankensektors zu spüren. Die Bilanzen der drei größten Geldhäuser der Inselnation waren auf das Zehnfache des Bruttoinlandsprodukts angeschwollen. Der Verfall an den Finanzmärkten in den Wochen nach der Lehman-Insolvenz pulverisierte die Bilanzen der Institute, die in ausufernde Devisengeschäfte und undurchsichtige Pakete aus Immobilienkrediten investiert hatten.

Die Exzesse der Banken rissen die Insel mit: Anfang 2009 waren 80 Prozent der isländischen Unternehmen und 30 Prozent der Privathaushalte praktisch pleite. Doch während die Euro-Krisenstaaten wie Portugal, Spanien oder Irland und Italien sich mühsam gesund sparen und dank der niedrigen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) aus der Krise robben wollen, gingen die Isländer einen anderen Weg: Sie zogen die Gläubiger heran. Gut 85 Milliarden Euro mussten diese stemmen – so auch deutsche Sparer als Kunden der Kaupthing-Bank. Island verprellte damit ausländische Investoren, nahm das aber bewusst in Kauf, um sich zu sanieren.

Reykjavik verstaatlichte seine Banken, schickte sie dann aber in die Pleite und zerschlug sie. Übrig blieben ein Rumpfgeschäft und Bad Banks, in die die faulen Papiere und Kredite ausgelagert wurden. Anders als in den USA, Irland oder Spanien kam es aber nicht zu Zwangsversteigerungen von Privathäusern: Hypothekenschulden, die über den neuen, realistischen Marktwert hinausgingen, wurden erlassen. Auch überschuldete, aber im Grunde profitable Unternehmen bekamen einen Schuldenerlass.

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  • Der Tenor dieses Artikels ist Unfug. Weder hat die Pleite von Lehman ursächlich in den USA oder in Europa die Krise ausgelöst, noch hat sie mit den Schuldenproblemen in etlichen Eurostaaten zu tun.

    Auch ohne den Konkurs von Lehman wäre nichts anders gekommen, lediglich hätten die USA noch höhere Kosten für eine Unternehmensrettung aufwenden müssen.

  • Es gibt keine souveräne Staaten mehr!

    Alle "Staaten" müssen sich Ihr Geld von den Banken leien!
    Damit sind Sie komplett privatisiert!

  • Was ist der Unterschied zw. Banken und untenstehenden AG's

    http://www.onvista.de/aktien/IVG-Immobilien-Aktie-DE0006205701

    http://www.onvista.de/aktien/GLOBAL-PVQ-SE-Aktie-DE0005558662

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